Sport : Kein Neid, höchstens Ärger

Klaus Rocca

Er machte Urlaub auf Mallorca, spielt derzeit Golf am Lido di Jesolo und unterzieht sich demnächst einer Schlammkur in Abano Terme. Berlin ist für Jürgen Röber weit weg. Nicht jedoch Hertha BSC. "Ich bin auf dem Laufenden. Erst am Sonnabend nach dem Spiel in Bremen habe ich mit Michael Preetz telefoniert", erzählt Röber.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Empfindet er Neid, gar Schmerz, dass es unter seinem Nachfolger Falko Götz so ganz anders läuft als zuvor bei ihm? "Nicht im Geringsten. Wir haben doch zum Jahresanfang hervorragend trainiert. Das musste sich irgendwann ja auszahlen." Also ist es mit sein Verdienst, dass Berlins Fußball-Bundesligist unter Götz die sensationelle Efolgsserie hingelegt hat? "Das zu beurteilen überlasse ich anderen", sagt Röber. Etwa seinem Nachfolger Falko Götz. Der konzediert Jürgen Röber, "dass er mir die Mannschaft fit übergeben hat". Damit unterscheidet er sich von so manchem Trainer, der beklagt, mit der Fitness liege es im Argen, er müsse die Spieler erst mal auf Vordermann bringen. Doch im selben Atemzug stellt Götz seine Verdienste am Aufschwung heraus: "Ich habe im taktischen Bereich einiges geändert und Personen ausgetauscht. Das hat mit dazu beigetragen, dass wir jetzt wieder nach vorn sehen können."

Auch, dass jene wieder Freude am Fußballspielen haben, die unter Röber nur zweite Wahl waren. Dass diese ihre Erleichterung auch öffentlich äußern, ärgert Röber. "So was kennen wir doch. Das hört man besonders von den jungen Spielern, die sich noch keinen Stammplatz erkämpft haben." Zum Beispiel bei Michel Dinzey. Als der Hertha 1999 verließ und zu 1860 München wechselte, "hat er auch erzählt, dass er nun endlich wieder die Freude am Fußball hat, die er unter meiner Führung angeblich nicht mehr hatte". Als Dinzey dann auch in München auf der Bank saß, habe er sich ganz anders angehört.

Dennoch hält Jürgen Röber an seiner Absicht fest, die Spieler zu einem gemeinsamen Abschiedsessen einzuladen, wenn er wieder in Berlin ist. Als die Trennung von Hertha perfekt war, habe er sich dazu emotional noch nicht in der Lage gesehen. "Das sieht jetzt anders aus", sagt Röber. "Aber ich würde es keinem übel nehmen, wenn er nicht zu diesem Treffen kommt." Da mag er an Alex Alves gedacht haben, an Denis Lapaczinski oder an Thorben Marx, also an die Nutznießer des Trainerwechsels, die ihre wieder entdeckte Spielfreude auch öffentlich kundgetan haben.

Bei allem Interesse an Hertha BSC: Seiner Absicht, Abstand vom Fußball zu gewinnen, ist Röber nahe gekommen. Im Sommer, vielleicht, werde er über ein neues Engagement nachdenken. Vielleicht im Ausland, er habe schon so manches Angebot erhalten. "Aber der Verein muss auch eine Perspektive haben." Also wartet er ab - bis das große Kribbeln kommt.

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