Sport : Kein Platz für den Kämpfer

Marc Wilmots hat auf Schalke keine Zukunft mehr

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Gelsenkirchen. Es gab einmal eine Mannschaft auf Schalke, die wurde von den Fans so sehr geliebt, dass ihre Auftritte längst mythisch verklärt werden. Spielerisch selten berauschend, aber mit nimmermüdem Kämpferherzen pflügten die königsblauen Helden die Fußballplätze des Kontinents um und erwarben sich auf ihrem Weg zum Triumph im Uefa-Pokal die Ehrenbezeichnung „Eurofighter“. Gerade einmal fünf Jahre sind seitdem vergangen, und doch gehören die Thons, Eigenrauchs, de Kocks und Mulders längst zu einer vergangenen Generation.

Marc Wilmots ist im Schalker Kader von heute der letzte Übriggebliebene der glorreichen Riege, doch auch seine Ära scheint beim Pokalsieger zu Ende zu gehen. Zum einen, weil der 33-Jährige inzwischen nicht mehr der Schnellste und zudem verletzungsanfällig geworden ist, zum anderen aber auch, weil das von Trainer Frank Neubarth favorisierte und bislang erfolgreich praktizierte 4-4-2-System für den offensivstarken Nationalspieler nur wenige Einsatzmöglichkeiten bietet. Im offensiven Mittelfeld sind Andreas Möller sowie Gustavo Varela aus Uruguay gesetzt, dahinter ist der dänische Zugang Christian Poulsen vorerst nicht zu verdrängen.

Bliebe ein Platz im Sturm, doch da wirbeln derzeit andere. Beim 3:0-Sieg gegen den HSV demonstrierten die eine Halbzeit lang, wie gut sie ihr Spiel auch ohne Wilmots aufziehen können. Vor allem Agali findet sich im Sturmzentrum immer besser zurecht, vom Dauerverletzten Belgier Emile Mpenza spricht auf Schalke derzeit niemand. Der ehrgeizige Wilmots hat längst registriert, dass er keine guten Karten hat. Im Spiel gegen den HSV wurde Wilmots in der zweiten Hälfte sogar der junge Hanke vorgezogen.

Dabei hatte Marc Wilmots nach langwierigen Verletzungspausen in der vergangenen Saison für Schalke eine starke Rückrunde absolviert und danach eine formidable WM folgen lassen. Als der Welt-Fußballverband Fifa jüngst die überragenden WM-Akteure auflistete, wurde auch der Marc Wilmots notiert. Doch solche Ehrungen sind am Schalker Markt derzeit kein Thema.

Mittlerweile denkt der erklärte Publikumsliebling Wilmots, den sie auf Schalke noch immer liebevoll „Willi, das Kampfschwein“ nennen, offen über einen Ausstieg nach. „Ich bin nicht aus Bordeaux zurückgekommen, um hier Stürmer Nummer vier zu sein“, hat er jüngst gesagt und Rücksprache mit Manager Rudi Assauer genommen. Dem Vernehmen nach hat der frühere Kapitän der belgischen Nationalmannschaft darum gebeten, vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen zu können. „Ich könnte sofort ins Ausland gehen“, sagt Wilmots, „im Winter zurück nach Belgien oder mein letztes Jahr auf Schalke zu Ende bringen. Alles ist möglich.“ Es heißt, Wilmots ziehe es zu Standard Lüttich, wo nach seiner Laufbahn ein Anschlussvertrag als Sportdirektor auf ihn warten soll. „Wenn Marc vorzeitig gehen will, kann er das heute tun. Hier muss keiner spielen, der keinen Spaß hat“, sagt Assauer. Kein Wunder, dass Wilmots davon auszugehen scheint, dass seine zweite Liaison mit Schalke bald beendet sein wird. „Wenn ich gehe, dann erhobenen Hauptes.“ Felix Meininghaus

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