Sport : Kein Sieger, nur Gewinner

Das 33:33 zwischen Kiel und Hamburg wird zur Nachfeier für die Weltmeister

Frank Heike[Kiel]

Die große Flasche Champagner hatte sich Pascal Hens redlich verdient. Als überragender Akteur des Handball-Nachmittags wurde der deutsche Nationalspieler nach dem vollauf verdienten 33:33 seines HSV Hamburg beim Deutschen Meister THW Kiel am Samstagnachmittag geehrt – Hens, seit einer Woche stolzer Weltmeister, warf elf Tore und hatte dabei nur einen Fehlversuch. So war es vor allem sein Verdienst, dass dieser HSV ein ganz heißer Kandidat um den Titel bleibt. „Wir haben heute mit viel Druck gespielt, und der Gegner war wohl nicht so auf mich fixiert“, sagte Hens ganz bescheiden nach der Partie, „bei mir lief heute einfach alles. Aber es gibt auch andere Tage.“

Für Hens müssen die letzten Tage wie im Traum verlaufen sein: erst das siegreiche WM-Finale gegen Polen, dann die Feierlichkeiten auf dem Kölner Rathausbalkon, der sympathische Auftritt in der Fernsehshow bei Johannes B. Kerner, weitere Partys in Hamburg und nun die herausragende Leistung beim wichtigen Punktgewinn in Kiel. Hens ist auf dem besten Weg, das Gesicht des deutschen Handballs zu werden und Stefan Kretzschmar vergessen zu lassen. „So kann es weiter gehen, denn wir wollen uns auf Dauer oben als Spitzenteam etablieren“, sagte er nach der Partie, die vor allem in der zweiten Halbzeit schon wieder hervorragenden Handball bot und den Fans in der Halle gleich sechs Weltmeister zeigte: von Seiten des THW waren das Henning Fritz, Christian Zeitz, und Dominik Klein, bei den Hamburgern eben Pascal Hens, Torsten Jansen und Stefan Schröder. Sie erhielten lauten Applaus, als sie vor der Partie mit großen Torten und Blumen geehrt wurden. Vor allem Henning Fritz, nach seiner Waden-Verletzung aus dem Finale in Zivil auf dem Parkett, wurde für seine grandiose Leistung bei der WM gefeiert.

Aber auch die Hamburger wurden freundlich behandelt, und man konnte sehen, dass der Gewinner dieser WM nicht nur die Nationalmannschaft und die Vereine, sondern der gesamte Handball sein kann. Doch dass es fünf Tage nach dem Finale schon wieder weiterging (und für Kiel und Hamburg auch am Dienstag mit dem wichtigen Viertelfinale im DHB-Pokal), passte den Handball-Verantwortlichen gar nicht. Der Kieler Manager Uwe Schwenker sagte: „Ich hätte mir gewünscht, dass etwas mehr Zeit wäre, die Erfolge zu genießen, und dass die Bundesliga mit etwas mehr Ruhe beginnt.“ Doch dazu konnte sich die Handball-Bundesliga (HBL) nicht durchringen, und so geht es eben Schlag auf Schlag weiter.

Der Hamburger Trainer Martin Schwalb lobte alle Akteure für ihre Leistung, vor allem Hens: „Pascal hat das Image des Partykönigs, doch das ist falsch. Er ist ein Vollblut-Profi, und der darf sich gern mal die Pappkrone aufsetzen und feiern.“ Bis zum Mittwoch war in Kiel und Hamburg das Feiern erlaubt, danach wurde bei beiden Klubs wieder ernsthaft trainiert, aber nur zweimal. Das passte dem Kieler Trainer Zvonimir Serdarusic gar nicht: „Was soll man da groß trainieren?“

Das Spitzenspiel der Bundesliga vor 10 250 Zuschauern brauchte die Vorlage der stimmungsvollen WM mit den Ehrungen, um auf Touren zu kommen. In Kiel ist immer Handball-Feiertag, wenn der THW spielt, doch dieses Mal gab es einen Vergleichswert, der alles toppte: Wer die Partie Dänemark gegen Norwegen bei der Vorrunde der WM gesehen und gehört hatte, war von der Atmosphäre in der Ostseehalle an diesem Samstag enttäuscht. „Es ist ja wie beim Golf“, sagte der Hallensprecher in der Pause und forderte die Kieler Fans zu mehr Unterstützung auf. Mit dem Skandinavier-Duell im Kopf und der müden Atmosphäre des Nachmittags vor Augen sagte Uwe Schwenker: „Bei Dänemark gegen Norwegen hat sich das Hallendach gehoben, heute war das Publikum müde – vielleicht hat es sich auch vor dem Fernseher verausgabt.“ So kehrte trotz aller Weltmeister auch ein bisschen Alltag zurück in den deutschen Handball-Tempel Ostseehalle.

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