Sport : Kein Strand am Pariser Platz

Warum Berlin die Beachvolleyball-WM nicht bekommt

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Berlin. Es hatte sich so schön angehört: Beachvolleyball am Pariser Platz direkt vor dem Brandenburger Tor, präsentiert von schönen, athletischen Menschen bei der WM 2005. Seit geraumer Zeit wird an diesem Plan gebastelt, doch nun scheint er jäh geplatzt. Der Weltverband FIVB, so war vom derzeit in Buenos Aires stattfindenden Volleyball-Kongress lapidar zu vernehmen, habe seine Pläne geändert und werde die WM nun in Los Angeles steigen lassen. Dabei hatte es noch im Mai, als die World Tour in Berlin Station machte, geheißen, die deutsche Hauptstadt sei aussichtsreichster Bewerber. Diese Absichtserklärung ist hinfällig geworden, seit ein Konkurrent mit großem Einfluss aufgetaucht ist. Seit Jahren liegt die FIVB mit der mächtigen US-Profivereinigung AVP über Kreuz. Beide sprachen sich gegenseitig das Recht ab, internationale Wettkämpfe zu veranstalten. Nun gibt es ein Friedensangebot, das mit der Bedingung verknüpft ist, die WM 2005 im Mutterland der Beachvolleyballer auszurichten.

Die deutschen Funktionäre traf das unvorbereitet. Götz Moser, Vizepräsident Sport im Deutschen Volleyball-Verband, reagierte „mit Entsetzen. Das ist für uns ein absoluter Schlag ins Kontor“. Für Frank Mackerodt, Geschäftsführer der Volleyball-Veranstaltungsagentur MNP, ist die Absage „mehr als katastrophal“. Zumal niemand unterrichtet wurde. Statt einen Präsentationstermin mit allen Bewerbern anzuberaumen, habe der Weltverband einfach entschieden. „So kann man nicht seriös arbeiten“, sagt Mackerodt, der sich „rechtliche Schritte vorbehält“.

Der Ärger ist verständlich, schließlich war das Turnier bereits finanziert. Öffentliche Zuschüsse aus Berlin in Höhe von 1,1 Millionen Euro sind abgesegnet. Vor wenigen Tagen hatte Moser dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Sportsenator Klaus Böger bei der Volleyball-WM der Frauen versichert, alles laufe nach Plan. Nun will Moser „offen mit der Problematik umgehen“, schließlich geht es darum, die Gelder für die Grand-Slams 2003 und 2004 zu sichern. Mackerodt fürchtet, dass Berlin einen Rückzieher macht, weil die Turniere als Werbung für die WM gedacht waren. „Wenn der Senat sein Engagement überdenkt“, sagt Mackerodt, „kann man ihm noch nicht mal einen Vorwurf machen.“ Felix Meininghaus

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