Sport : Kein Tor für Kahn

Daniel Pontzen

Vielleicht war der Besuch eine Geste der Solidarität. Boris Becker, der sich wieder blicken ließ im Olympiastadion, verbindet in diesen Tagen einiges mit seinem Lieblingsverein. Beide haben den Tiefpunkt ihrer Krisen überwunden, beiden ging es dennoch schon bedeutend besser - nebenbei wollen beiden nicht mehr so viele Menschen bei der Arbeit zuschauen. 28 000 Zuschauer wärmten nicht mal die Hälfte der Schalensitze im bitterkalten Stadion. Dem schleichenden Verlust seiner Strahlkraft wirkte der FC Bayern beherzt entgegen. Ein halbes Dutzend Tore bescherte der Deutsche Meister seinem treuesten Anhang gegen Energie Cottbus und machte Boden gut "im Kampf um die ersten drei Plätze, die wir mit aller Macht erreichen wollen", wie Trainer Ottmar Hitzfeld wissen ließ. "Es ist ein Spieltag für den FC Bayern", ergänzte er mit Blick auf das heutige Spiel der Konkurrenten Leverkusen und Dortmund.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Viel Mühe wurde den Vielbeschäftigten aus München nicht bereitet beim Pflichttermin zwischen den beiden Champions-League-Spielen gegen Porto. Der Widerstand der Cottbuser war so stark, wie man es von einer Mannschaft erwarten kann, die von elf Auswärtsspielen acht verloren hat. Erleichternd kam aus Sicht der Gastgeber ein anderer Umstand hinzu. Mitte der Woche hatte eine große Sportzeitung die Fehlentscheidungen, die den FC Bayern im Laufe der Saison benachteiligt hatten, minutiös aufgebröselt. Schiedsrichter Florian Meyer schien das aufmerksam studiert zu haben, denn er wirkte fest entschlossen, der Ungerechtigkeit kein unrühmliches Kapitel hinzuzufügen. Drei Szenen zwischen der 27. und 45. Minute reichten aus, um seinen guten Willen zu unterstreichen. Nebenbei entschieden sie das Spiel.

Zunächst war der Cottbuser Topic im Strafraum zu Fall gebracht worden, Foul würdig wie Meyer befand. 1:0 stand es zu diesem Zeitpunkt, Pizarro hatte eine Flanke von Scholl per Flugkopfball verwertet, und der fällige Elfmeter hätte Cottbus zurück ins Spiel bringen können. Doch Meyer wollte den Tatort außerhalb des Strafraums gesehen haben und verweigerte den Strafstoß. Großzügiger trat er auf der anderen Seite auf, nachdem Pizarro regelkonform gestoppt worden war. Effenberg verwandelte. Die Aufregung war groß bei den Cottbuser Verantwortlichen. Noch ehe sie sich gelegt hatte, fühlten sie sich durch Meyer zum dritten Mal zum Protestmarsch auf der Tartanbahn genötigt. Diesmal wurde János Mátyus nach einem Zupfer gegen Carsten Jancker vom Feld geschickt und der Weg zum 3:0 bereitet, das Scholl per Freistoß folgen ließ.

Nachdem die Punkteverteilung vorzeitig vorgenommen schien, kümmerten sich die Bayern um ihr Torverhältnis. Pizarro schlüpfte dabei kurzfristig in die Rolle des Vorbereiters, manövrierte die Cottuser Abwehr mit einem Kurzpass auf Scholl aus, der bereitwillig den Vollstrecker gab. Sechs Minuten später hielt man sich wieder an die angestammte Aufgabenteilung: Scholl-Flanke, Pizarro-Tor. Dann beendete Reghecampf seinen Arbeitstag. Seinen Reißtest des Trikots von Pizarro ahndete der Schiedsrichter erneut mit Rot: Neun gegen Elf. "Spätestens da hatte das nicht mehr viel mit einem Bundesligaspiel zu tun, das war eher ein Trainingsspiel", gab Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zu. Den Schlusspunkt setzte Giovane Elber, der eine Hereingabe Sagnols in Seelenruhe stoppte und verwertete.

Die finale Szene war jedoch einem anderen vorbehalten. Als Meyer nach einem Schubser gegen Kuffour zum zweiten Mal Elfmeter pfiff, rückte Oliver Kahn in den Mittelpunkt. Der Torwart, gewöhnlich keiner, der Fußballspiele zum Spaß bestreitet, ließ sich von Fans und Mitspielern drängen, den Elfmeter zu schießen. Doch bei solchen Spielchen ist Kahn ungeübt, er macht ungern mit. Er wäre sich besser treu geblieben.

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