Sport : Kein Wunder, aber viele Wunden

Deutschland scheidet bei der Basketball-EM aus und verpasst London 2012

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Nicht immer auf Ballhöhe. Dirk Nowitzki (li.) und Gegenspieler Darius Songaila. Foto: dpa Foto: dpa
Nicht immer auf Ballhöhe. Dirk Nowitzki (li.) und Gegenspieler Darius Songaila. Foto: dpaFoto: dpa

Von Dirk Nowitzki sind viele Wunderdinge bekannt, der Würzburger hat für die Dallas Mavericks und die deutsche Nationalmannschaft immer wieder basketballerische Berge versetzt. In seinem vielleicht letzten Länderspiel am gestrigen Sonntagabend allerdings waren weder der 33-Jährige noch seine Mitspieler in der Lage, eine weitere Sensation zu schaffen. Da Serbien gegen die Türkei hauchdünn 68:67 gewonnen hatte, benötigten die Deutschen zum Abschluss der Zwischenrunde einen Sieg mit mindestens elf Punkten gegen Litauen, um den EM-Gastgeber im Dreiervergleich mit Serbien in der Tabelle zu überholen. Dieser Rückstand war zu groß für das deutsche Team, das sich auch nicht mit einem Sieg von der EM verabschieden konnte. Am Ende eines hart umkämpften Spiels hieß es 84:75 (37:33) für Litauen, Deutschland hat somit das Viertelfinale in Kaunas verpasst.

Das Ausscheiden bei der EM stellt das Ende einer Ära dar: Die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London hat das Nationalteam verpasst, Nowitzki wird bis auf weiteres nicht mehr für Deutschland spielen, Bundestrainer Dirk Bauermann gibt sein Amt auf und coacht nur noch den Bundesliga-Aufsteiger FC Bayern.

„Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass Dirk einen seiner ganz großen Tage haben wird“, hatte Bauermann vor dem Spiel gesagt. Damit lag der 53-Jährige falsch. Nowitzki mühte sich von Beginn an gegen seine litauischen Gegenspieler ab, die mit viel Körpereinsatz versuchten, den NBA-Profi daran zu hindern, überhaupt an den Ball zu kommen. Wenn Nowitzki doch einmal in guter Wurfposition am Ball war, stürzte sich meist ein zweiter Litauer auf ihn. So musste der winzige schwarz-rot-goldene Fanblock im Oberrang der vom litauischen Grün dominierten Arena von Vilnius bis zur Mitte des zweiten Viertels warten, bis er Nowitzkis erste Punkte bejubeln konnten, per Freiwurf verkürzte er auf 23:27. Die deutschen Spieler leisteten sich zu viele Ballverluste, unter dem Jubel der knapp 12 000 Zuschauer kamen die Gastgeber so zu Schnellangriffen und leichten Punkten. Zur Halbzeit lag die deutsche Mannschaft mit vier Punkten zurück. Es schien eindeutig der Tag der Litauer zu werden, in der Halbzeitpause verwandelte sogar ein Maskottchen einen Wurf von der Mittellinie.

Bis dahin hatte die litauische Mannschaft auch keinerlei Nervosität gezeigt, dabei hätte auch das Team von Trainer Kestutis Kemzura noch ausscheiden können, was im basketballverrückten Litauen als nationale Tragödie empfunden worden wäre. Als die deutsche Mannschaft gut in die zweite Hälfte startete und mit 41:39 in Führung ging, spürte das Publikum, dass sein Team Unterstützung braucht. Die „Lie-tu-va“-Rufe wurden lauter, die litauischen Spieler dankten es ihren Fans mit einem 9:0-Lauf. Die deutsche Mannschaft hingegen konnte nie eine Serie starten, die das Selbstbewusstsein des Gegners hätte erschüttern können. Nowitzki tat sein Bestes, traf aber nur vier seiner 17 Wurfversuche aus dem Feld und kam am Ende auf 16 Punkte. Chris Kaman war an diesem Abend mit 25 Zählern und elf Rebounds der deutlich effektivere der beiden deutschen NBA-Profis. Auch vor dem Schlussviertel, in das Litauen mit einer 58:52-Führung ging, waren die Deutschen immer noch sehr weit von der ersehnten Sensation entfernt.

Bauerman wechselte Dreierspezialist Lucca Staiger von Alba Berlin ein, doch diesmal entpuppte sich keiner der deutschen Spieler aus der zweiten Reihe als Geheimwaffe, wie es Philipp Schwethelm mit seinen 14 Punkten gegen die Türkei getan hatte. Robin Benzing zeigte sein bestes Spiel im Turnier und hielt die Deutschen mit vielen guten Aktionen und insgesamt 18 Zählern im Spiel. Ein Sieg blieb bis kurz vor Spielende im Bereich des Möglichen – spätestens nach einem Alley-oop-Dunking des 19-jährigen Jonas Valanciunas zum 67:64, der die Zuschauer von den Sitzen riss, war aber klar, dass es kein Elf-Punkte-Wunder geben würde.

Trotzdem gaben sich die deutschen Spieler nicht auf, als Bauermann Dirk Nowitzki 25 Sekunden vor dem Ende auswechselte, konnte der deutsche Star mit erhobenem Haupt vom Feld gehen. Er sagte nach dem Spiel: „Wir haben alles auf dem Feld gelassen, was wir konnten.“ Dann wirkte der NBA-Profi nachdenklich. „Im Endeffekt lag es an mir“, sagte Nowitzki. „Ich war nicht in der Lage, ein gutes Turnier zu spielen.“

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