Sport : Kein Zutritt für Frauen

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Von Christine-Felice Röhrs

Dass Golfen immer mehr zum Volks-, ja sogar Frauensport wird – die Herren dero zu Muirfield, Schottland, würden dies mit empörtem, wenn auch würdevollem Kopfschütteln ablehnen. Seit sich 1744 hier mit der „Ehrenwerten Gesellschaft der Edingburgher Golfer“ der erste Golfklub der Welt gegründet hat, so würden sie mit erhobenem Zeigefinger sagen, sind in Muirfield die alten Regeln erhalten geblieben. Bestimmt würden die Gentleman-Sportler auch darauf hinweisen, dass Spieler hier Hemden mit Kragen zu tragen haben und Jeans verboten sind. Natürlich dürfen Klubfremde nicht spielen („Gast-Politik: geschlossen“). Und irgendwo vor dem Klubhaus, so verlautet gerüchteweise in britischen Sportzeitschriften, soll sogar das Schild stehen: „No women and dogs“. Kein Zutritt für Frauen und Hunde.

Nun könnte man den laut Forbes Magazine „snobistischsten Altherren-Klub Schottlands“ ja einfach ignorieren und sagen: Ach, überlasst doch die Ewiggestrigen sich selbst – wenn nicht ausgerechnet in Muirfield vom 18. bis zum 21. Juli die British Open stattfänden. Und wenn nicht wegen der Frauen-Politik des Klubs in England und Schottland jetzt ein heftiger Disput entbrannt wäre.

Nun hat sogar der Sportminister für England und Wales, Richard Caborn, Kritik an Muirfield geübt. Es sei die Pflicht aller Verantwortlichen im Sport, den Zugang zu den Spielen für alle Schichten der Gesellschaft zu ermöglichen – auch für Frauen. Ob es denn weise gewesen sei, die British Open ausgerechnet Muirfield zuzuschlagen, hat Caborn beim Royal and Ancient Golf-Verband, Organisator des Turniers, angefragt. Woraufhin Generalsekretär Peter Dawson zurückgiftete: Es sei die Aufgabe des Verbandes, jedes Jahr einen optimalen Platz zur Verfügung zu stellen, aber nicht, die Klubpolitik zu überprüfen. Der Druck, die Regeln zu ändern, käme ja sowieso nicht von den Sportlern selber, sondern von außerhalb.

Das mag wohl wahr sein. Schließlich reisen zu den British Open jährlich weit mehr als 200 000 Besucher an, darunter viele Frauen. Die dürfen nun, wenn sich das Reglement nicht im letzten Moment noch ändert, im Klubhaus nicht einmal einen Lady’s Drink nehmen, obwohl sie pro Tag immerhin bis zu 250 Pfund Eintritt bezahlt haben. Viele schimpfen, Muirfield müsse endlich lernen, mit der Zeit zu gehen. Dazu ein kurzangebundener Klub-Sprecher: „It has always been like that and will always be.“ So war’s schon immer, so wird es bleiben. Könne es denn nicht ausnahmsweise mal eine Änderung geben, nur für dieses Turnier? Die Antwort: „Das bezweifle ich sehr.“

Übrigens war mit der Frauen-Affäre das Theater noch nicht zu Ende. Lange hat Muirfield mit den Organisatoren auch um den Bau einer Tribüne am 18. Grün gestritten. Die würde den Mitgliedern, die Gin nippend von der Klub-Terrasse aus das Spiel verfolgen, den Blick versperren. Die Tribüne sei im Bau, hieß es am Tag vor dem Turnier. Unerhört.

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