Sport : Kein zweiter Mann

Holger Osieck wird nicht Jürgen Klinsmanns Assistent, weil er wohl zu wenig Kompetenz erhalten sollte

Friedhard Teuffel

Berlin - Holger Osieck hat schon erlebt wie es ist, Assistenztrainer zu sein und trotzdem ein „kleiner Kaiser“. Diesen Titel bekam er zuerkannt, als er an der Seite von Franz Beckenbauer die Fußball-Nationalmannschaft trainierte. Verdient hat ihn sich Osieck vor allem durch den Gewinn des Weltmeistertitels 1990 gemeinsam mit „Kaiser“ Franz Beckenbauer. Inzwischen ist Osieck 55 Jahre alt und Referatsleiter für technische Entwicklung beim Welt-Fußballverband Fifa. Er hätte nun noch einmal die deutsche Auswahl trainieren können, nicht mehr zusammen mit einem Fußball-Adeligen wie Beckenbauer, sondern mit dem bürgerlichen Jürgen Klinsmann. So war es vorgesehen vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Doch dazu wird es nicht kommen. Gestern erklärten beide, dass sie nicht zusammenarbeiten werden.

Jetzt hat also auch ein möglicher Ko-Bundestrainer der prominentesten Spielgemeinschaft der Republik abgesagt, ohne die Gründe öffentlich zu nennen. In einer dürren Pressemitteilung hieß es nur, dass sie sich nach einem persönlichen Gespräch „nicht über eine Zusammenarbeit verständigen konnten“. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sich Osieck dem neuen Teamchef Klinsmann nicht so unterordnen wollte, wie der es gerne gehabt hätte. „Das kann nicht gut gehen“, hatte Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs schon zuvor gesagt: „Der Holger als zweiter Mann hinter dem Jürgen, daran glaube ich nicht.“

Als Osieck seinen größten Erfolg als Trainer feierte, den WM-Titel 1990, gehörte Klinsmann noch als Spieler zur Mannschaft. Erfahrungen als Trainer hat Klinsmann nicht – im Gegensatz zu Osieck, der nach der WM 1990 noch in Frankreich bei Olympique Marseille als Kotrainer arbeitete, in der Bundesliga beim VfL Bochum als Chefcoach und in Kanada als Nationaltrainer.

Osieck hätte ohnehin kein Doppel mit Klinsmann bilden können, weil sich Klinsmann ein Trainerteam nach amerikanischem Vorbild vorstellt mit Fachleuten für die Psyche der Spieler und für ihre Fitness. Von seinen eigenen Befugnissen hat er Osieck wohl auch nicht genug abgeben wollen. „Klinsmann will die Nummer eins sein, er will die Hauptverantwortung haben“, hieß es dazu gestern aus der Führung des DFB. Klinsmann kann sich bei diesem Vorhaben der Rückendeckung des DFB gewiss sein. „Wir wollen das Modell der Troika mit Klinsmann als Teamchef, einem Assistenten und einem Teammanager. Da muss Klinsmann doch Leute an der Seite haben, mit denen er gut arbeiten kann“, sagte ein DFB-Verantwortlicher. Der DFB wolle ihm keinen Trainer an die Seite stellen, mit dem er nicht zurechtkomme.

Klinsmann wird sich jetzt einen anderen Mitarbeiter suchen müssen. Vielleicht hatte er auch beim Gespräch mit Osieck schon jemanden im Hinterkopf. Osieck war immerhin nicht von ihm ins Gespräch gebracht worden, sondern von der Trainerfindungskommission des DFB, wie Franz Beckenbauer gestern bestätigte. „Es war nicht nur mein, sondern unser Vorschlag von der Trainerfindungskommission. Es wäre das ideale Gespann gewesen“, sagte er, „aber wenn die beiden eben nicht zusammen können, dann müssen sie es eben lassen.“

Klinsmanns Ansprüche sind auch sehr hoch. Einen Trainer mit internationaler Erfahrung möchte er haben, aber er soll sich in der zweiten Reihe hinter ihm einordnen. Er soll erfolgreich sein, aber am besten nicht allzu eigenständig. Osieck hätte diese Anforderungen erfüllt, und seine Arbeit mit Beckenbauer ist auch besser im Gedächtnis als seine wenig erfolgreiche Zeit beim VfL Bochum. Damals hielt die Vereinsführung trotz fehlenden Erfolgs so lange an ihm fest, bis Fans zu randalieren anfingen und Steine gegen die Geschäftsstelle warfen.

Für heute hat der DFB zu einer Pressekonferenz eingeladen. Dabei soll bereits Oliver Bierhoff als neuer Teammanager präsentiert werden. „Davon gehe ich aus“, sagte Liga-Präsident Werner Hackmann in der ARD. Hackmann ist nebenher auch noch Mitglied der Trainerfindungskommission. Mit Bierhoff hatte der DFB gestern stundenlang verhandelt. „Es sieht gut aus“, sagte Bierhoff danach. Bierhoff soll auch bereit sein, auf seinen Beratervertrag mit dem Sportartikelkonzern Nike zu verzichten, weil der DFB von Adidas ausgerüstet wird.

Holger Osiecks Absage hat jedenfalls auch in Beckenbauers Umfeld Verwunderung hervorgerufen. Bei Günter Netzer ist es eher Verärgerung. Er sagte dem Tagesspiegel: „Es erschreckt mich, in welchem Zustand der DFB sich mittlerweile befinden muss. Wenn man eine Personalentscheidung trifft und sich jemanden ausgeguckt hat, dann bespricht man doch vorher, was die Aufgabe sein soll, und dann erst geht man mit dem Namen der Person in die Öffentlichkeit.“

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