Kein zweites Sommermärchen : Deutschland nicht Ersatzkandidat für EM 2012

"Es gibt keine Anfrage der Uefa", kommentierte Wolfgang Niersbach, DFB-Generalsekretär, Gerüchte über eine Verlegung der EM 2012 nach Deutschland. Das Turnier findet weiterhin in Polen und der Ukraine statt.

Stadion Breslau
So soll das Stadion in Breslau einmal aussehen. Wenn es denn fertig wird. -Foto: dpa

Deutschland ist trotz aller Spekulationen kein Ersatzkandidat für die Ausrichtung der Fußball-Europameisterschaft 2012. "Das Thema spielt für uns gar keine Rolle. Wir respektieren die Gastgeber und stehen voll hinter ihnen. Es gibt auch keine Anfrage der Uefa", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Kurz vor Beginn der Tagung des Uefa-Exekutivkomitees mit der heiklen EM-Frage um die Gastgeber Polen und Ukraine widersprach Niersbach damit Mutmaßungen über ein neues Sommermärchen sechs Jahre nach der erfolgreichen WM-Organisation 2006.

Ultimatum läuft Donnerstag ab

Die Uefa-Exekutive mit ihrem deutschen Mitglied Gerhard Mayer-Vorfelder berät am Donnerstag und Freitag in Bordeaux über eine mögliche Aberkennung der Gastgeberrolle für Polen und die Ukraine. Die osteuropäischen Länder waren von Uefa-Präsident Michel Platini wegen gravierender Organisationsprobleme mehrfach gerügt und schließlich mit einem Ultimatum bis zur Bordeaux-Sitzung belegt worden.

Gleich nach der diesjährigen EM in Österreich und der Schweiz hatte sich Platini mit einer Verbands-Delegation in Polen und der Ukraine ein Bild über den Planungsstand gemacht. Deutschland galt wie Spanien und Italien in diversen Medien als potenzieller Ersatz-Gastgeber. "Wir beschäftigen uns damit nicht", sagte Niersbach. Besonders in englischen Zeitungen war immer wieder über eine eventuelle deutsche Co-Gastgeberrolle mit Polen geschrieben worden, sollte nur die Ukraine die Kriterien nicht erfüllen können.

Auch die Infrastruktur lässt zu wünschen übrig

Die Uefa hatte nie öffentlich über Ersatzkandidaten oder konkrete Verlegungsszenarien gesprochen. Platini benannte jedoch den schleppenden Stadionbau klar als ein Problem. "Sollte es in den Hauptstädten Kiew und Warschau keine Stadien geben, gehen wir nicht dahin", sagte der Franzose Ende Juni. Neben den Arenen in den jeweils vier polnischen (Warschau, Lodz, Danzig, Breslau) und ukrainischen (Kiew, Donezk, Dnjepropetrowsk, Lwow) Spielorten gelten Flug- und Straßennetz in den Gastgeberländern als derzeit unzureichend. Auch die Hotelkapazitäten stehen auf dem Prüfstand.

Polen und die Ukraine hatten den EM-Zuschlag vom Uefa-Exekutivkomitee im April 2007 erhalten. Dabei hatten sie sich überraschend mit 8:4:0 Stimmen gegen Favorit Italien und Ungarn/Kroatien durchgesetzt. Eine Aberkennung wäre auch eine Schlappe für Platini, der sich für eine Öffnung des europäischen Fußballs Richtung Osten stark macht. Weitere Tagesordnungspunkte sind die mögliche Aufstockung der EM-Teilnehmer auf bis zu 24 Länder und die Bildung eines Ermittlungsteams zum Kampf gegen Wettmanipulationen.

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