Sport : Keine Angst vor China

Benedikt Voigt

Von der chinesischen Millionenstadt Harbin ist vor allem eines bekannt: das Festival der Eisskulpturen. Geht es nach Politik und Sportpolitik in China – was ein und dasselbe ist – soll die Stadt nun auch als Austragungsort der Winterspiele 2018 berühmt werden. Schnee hat Harbin genug, bei der Winter-Universiade im nächsten Jahr kann es schon mal großen Sport trainieren, und die Olympiabegeisterung in der chinesischen Bevölkerung ist seit diesem Jahr ungebrochen. Trotzdem braucht München keine Angst vor dem neuen Mitbewerber für die Winterspiele zu haben.

Die wichtigsten Argumente für München 2018 heißen Wirtschaftskrise und Sotschi 2014. Schon die Londoner Bewerbung für die Sommerspiele 2012 steckt in Schwierigkeiten, weil die prognostizierten Ausgaben von 13,7 Milliarden Dollar in diesen Tagen nur schwer zusammenzubekommen sind. Gigantische Kosten von 42 Milliarden Dollar, wie sie China bei den Spielen von Peking hatte, erscheinen wie ein Relikt der Vergangenheit. Sotschi steckt ebenfalls in Schwierigkeiten, der Niedergang der Aktienwerte russischer Firmen und der Rohölpreisverfall machen Russland zu schaffen. Zumal in Sotschi fast alle Sportstätten noch aus dem Boden gestampft werden müssen.

Besonnen wirkt hingegen das Münchner Konzept: Weil die meisten Sportstätten schon existieren, kann München mit Nachhaltigkeit und Vernunft werben. Zwei Eigenschaften, die gegenwärtig hoch im Kurs stehen müssten. Müssten, wie gesagt, denn es gibt auch eine Tatsache, die dagegenspricht: Die Entscheidungen der Herren des Internationalen Olympischen Komitee sind oft unergründlich.

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