Sport : Keine Angst vor den prügelnden Galliern

Die Füchse Berlin treten heute in Balingen an

Foto: ddp
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Berlin - Eigentlich sind sie seit Jahren befreundet. „Aber über die teilweise unfaire Gangart der Balinger brauche ich mit Rolf Brack überhaupt nicht zu reden, da sind wir völlig gegensätzlicher Ansicht“, sagt Bob Hanning über den Trainer des heutigen Gegners. Dieser verteidigt sich insofern, dass er den Stil seines Teams so begründet: „Wir haben in der Bundesliga keine andere Chance, als über Emotionen und Kampfkraft den Erfolg zu suchen.“ Der im Vergleich zu den großen Vereinen knappe Etat der HBW Balingen-Weilstetten erlaube nun mal keine Verpflichtung hochkarätiger Spieler, man müsse mit sehr wenig sehr viel erreichen. So liegt der Tabellenvierzehnte aus Württemberg auch diesmal wieder nur fünf Punkte von einem Relegationsplatz entfernt und ist längst noch nicht aller Abstiegssorgen ledig. „Da erwartet uns am Tag der Arbeit eine ganz harte Aufgabe“, sagt Füchse-Geschäftsführer Hanning über das heutige Auswärtsspiel. Dabei hat Hanning auch noch das Hinspiel in unguter Erinnerung. „Beim 32:28 bei uns hatten einige Balinger den Einsatz etwas übertrieben“, erinnert er sich.

Auf der Homepage der HBW Balingen-Weilstetten, auf der sich der Klub selbst als „Gallier von der Alb“ anpreist und die Berliner als „Überflieger der Saison“ bezeichnet, schieben sich die Gastgeber ganz eindeutig die Außenseiterrolle zu. Auch, weil sie wegen einiger Verletzter Personalprobleme haben. Dennoch sagt Hanning: „In Balingen kannst du auch verlieren, die sind unberechenbar.“ Dazu trägt in entscheidendem Maße auch ihr Trainer Brack bei, ein promovierter Sportwissenschaftler und Dozent an der Universität in Stuttgart, der mit unkonventionellen Methoden für zusätzliche Verunsicherung beim Gegner sorgt. Er lässt verschiedene Deckungsvarianten spielen, nimmt im Angriff oft auch mal den Torhüter zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers heraus. Für das Spiel gegen die Füchse hat Brack angekündigt: „Wir müssen weg vom klassischen Kreisläuferspiel.“ Aber auch das ist möglicherweise wieder nur eine Finte gewesen.

In diesem „Schlüsselspiel“, wie es Bob Hanning ausdrückt, werde sich zeigen, wie reif die Füchse auf dem Weg nach Europa bereits sind. Bei einem Erfolg würde der Tabellenvierte auch rechnerisch sicher in der kommenden Saison im europäischen EHF-Cup antreten. Doch „mittlerweile wollen die Spieler viel mehr“, sagt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson. Die Chance auf die Champions League sei für alle eine riesengroße Motivation, und mit einem Sieg in Balingen käme das Team zumindest dem Qualifikationsturnier dafür sehr nahe. Die Rechnung von Hanning ist relativ simpel: „Dann hätten wir auf den ärgsten Verfolger Göppingen drei Punkte Vorsprung. Und die Göppinger könnten uns im nächsten Heimspiel mit einem Erfolg nicht überholen. Diese Lage dürfte sich auch auf deren Motivation negativ auswirken.“

Da die Berliner vor allem in der zweiten Halbzeit den Balingern gegenüber physisch im Vorteil sein sollten, könnten sie auf diese Weise auch den zu erwartenden Härten einigermaßen entgehen. „Wir sind in guter Form“, sagt Dagur Sigurdsson, „da werden wir auch Mittel und Wege finden, diese Aufgabe zu lösen.“ Am besten wäre ein sicherer Erfolg der Füchse in Balingen, dann gäbe es auch von vornherein keinen zusätzlichen Gesprächsbedarf zwischen Bob Hanning und Rolf Brack.

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