Sport : „Keine Denkverbote“

Innenminister Caffier über Strafen und Prävention.

Foto: dapd
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Herr Caffier, worum geht es aus Ihrer Sicht als Vorsitzender der Innenministerkonferenz bei der heutigen Sicherheitstagung?

Die Tagung ist zunächst einmal eine Veranstaltung von DFB und DFL. Wir erwarten uns Aussagen darüber, in welche Richtung sich der Fußball orientiert. Wir haben im Frühjahr ja einen relativ großen Forderungskatalog aufgestellt.

Sie haben kürzlich „konkrete Vorschläge“ gefordert, die den Fußball sicherer machen sollen. Wie könnten diese aussehen?

Wir wollen eine verbesserte Videoüberwachung der Stadien, eine bessere Qualifizierung der Ordnungskräfte, intensivere Einlasskontrollen, die konsequente Durchsetzung von Stadionverboten. Außerdem erwarten wir, dass sich der Fußball in Gänze mehr an der Prävention beteiligt und zum Beispiel ein Prozent der Mehreinnahmen durch die Fernsehrechte in präventive Maßnahmen steckt.

Der Deutsche Fußball-Bund hat in diesem Sommer gegen 20 Vereine so harte Strafen wie noch nie ausgesprochen. Sehen Sie das als Reaktion auf den Druck der Politik?

Ich kann nicht beurteilen, ob das eine Reaktion auf die Forderungen der Innenminister ist. Aber es ist eine Reaktion auf die Gewalt. Insofern sind diese Urteile Zeichen in die richtige Richtung. Wir müssen allerdings auch aufpassen, dass der Fußball nicht nur aus Geisterspielen besteht.

Vor jeder Sicherheitskonferenz wird über das Verbot von Stehplätzen oder die finanzielle Beteiligung der Klubs an Polizeieinsätzen diskutiert. Halten Sie diese Forderungen für realistisch?

Es ist in der Tat so, dass sich vor diesen Tagungen viele Leute zu Wort melden. Aber es darf keine Denkverbote darüber geben, wie wir den Fußball in Zukunft so gestalten, dass Vater und Sohn, Opa und Enkel, wieder in Frieden ins Stadion gehen und Sport genießen können. Dazu sind alle Vorschläge willkommen.

Immer wieder wird betont, der Dialog mit den Fans sei ein integraler Bestandteil der Gewaltprävention. Auch heute werden aber keine Fanvertreter mit am Tisch sitzen. Können Sie verstehen, dass sich einige Fans übergangen fühlen?

Verstehen kann ich das. Aber ich muss darauf verweisen, dass heute DFL und DFB die Veranstalter sind.

In der kommenden Woche gibt es noch eine Sicherheitskonferenz, die von Ihnen als IMK-Vorsitzender veranstaltet wird. Worin unterscheidet sich diese Veranstaltung von der Tagung von DFL und DFB?

Die Konferenz in der nächsten Woche wird sich mit den Vorschlägen auseinandersetzen, die morgen gemacht werden. Wir müssen ja erst einmal eine Grundlage haben. Es hieß zum Beispiel immer, der Fußball wolle einen Ehrenkodex beschließen. Aber den müssen wir erst einmal kennen, um darüber urteilen zu können.

Werden denn bei Ihrer eigenen Tagung Fanvertreter eingeladen sein?

Nein. Die sind ja bereits in den Ländern über die Fanprojekte und die „Task Force Sicherheit“ in den Dialog eingebunden.

Das Gespräch führte Lars Spannagel.

Lorenz Caffier, 57,

ist zurzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz (IMK). In Mecklenburg-Vorpommern ist Caffier seit 2006 Innenminister und seit 2009 Landesvorsitzender der CDU.

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