Sport : Keine Gnade für die Staffage

Schalke hat beim 0:4 gegen Bayern München nicht den Hauch einer Chance.

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Logenplätze. Die Schalker um Torwart Timo Hildebrand sehen zu, wie Franck Ribéry zum 3:0 trifft. Foto: dpa
Logenplätze. Die Schalker um Torwart Timo Hildebrand sehen zu, wie Franck Ribéry zum 3:0 trifft. Foto: dpaFoto: dpa

Es war erstaunlich, wie häufig Pep Guardiola sich von der Trainerbank aus auf den Weg zur Seitenlinie machte, um seinen Spielern Laufwege anzuzeigen und Hinweise für ihr Spiel zu geben. Dabei hatte seine Mannschaft, der FC Bayern München, ein hoch verdientes und auch in dieser Höhe gerechtfertigtes 4:0 (2:0) beim FC Schalke 04 herausgespielt und dabei und kaum Grund zur Kritik geliefert. Die Münchner hatten ganz im Gegenteil eine eindrucksvolle Machtdemonstration abgeliefert und den Schalkern mehr als deutlich ihre Grenzen aufgezeigt.

Guardiola wirkte zeitweise an der Seitenlinie so, als sehe er das anders. Offenbar hatte ihn sein Temperament dazu veranlasst, so häufig auf seine Spieler einzuwirken. Allerdings reihte sich der Spanier mit seinem Fazit dann doch in die allgemeine Stimmungslage ein. „Wir waren komplett dominant. Wir haben es gut gemacht“, sagte Guardiola dann versöhnlich. Bis auf die ersten 20 Minuten dieser Partie war die Mannschaft von Trainer Jens Keller kaum mehr als ein ambitionierter Sparringspartner, der im Laufe der Zeit der Souveränität sowie den technischen und spielerischen Fähigkeiten der Münchner kaum etwas entgegen zu setzen hatte. „Wir sind enttäuscht, auch über die Höhe der Niederlage. Das ist natürlich eine richtige Klatsche zuhause. Das haben wir uns anders vorgestellt“, sagte Schalke-Trainer Jens Keller sichtlich resigniert.

In der Anfangsphase war den Schalkern noch anzumerken, dass sie drei Spiele in Folge gewonnen hatten und sich auch gegen den amtierenden Triple-Sieger zumindest eine kleine Chance ausrechneten. Kevin-Prince Boateng schloss nach fünf Minuten einen Konter nach einem Ballverlust von Philipp Lahm im Mittelfeld mit einem Distanzschuss ab, bei dem sich Torhüter Manuel Neuer ordentlich strecken musste. Nach 17 Minuten hatten die knapp 62 000 Zuschauer sogar den Torschrei auf den Lippen, als Jefferson Farfan David Alaba überlief und in den Strafraum flankte, wo Dante in letzter Sekunde vor Adam Szalai rettete. Die Bayern spielten bis dahin überraschend vorsichtig, zurückhaltend und abwartend – um dann die erste Möglichkeit zu nutzen. Nach einem Eckball von Arjen Robben verwandelte Bastian Schweinsteiger, der für Thomas Müller in die Startelf gerückt war. Der Jubel der Münchner Anhänger war noch nicht ganz verklungen, als sie erneut zu einem Glücksschrei ansetzen konnten. Nach einer Flanke von David Alaba köpfte Mario Mandzukic völlig allein gelassen zum 2:0 ein. „Die beiden unglücklichen Tore haben uns das Genick gebrochen. Danach war es sehr schwer, zurückzukommen“, sagte Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes.

Ab diesem Zeitpunkt gewannen die Spieler des Ruhrgebietsklubs gefühlt keinen Zweikampf mehr und waren kaum mehr als Staffage auf dem Spielfeld. Sie hatten noch Glück, dass die Bayern nicht besonders sorgsam mit ihren weiteren Tormöglichkeiten umgingen, sonst hätte die Partie in einem noch schlimmeren Debakel für die Schalker enden können. Arjen Robben vergab vor der Pause noch leichtfertig eine Großchance.

Gegen die flinken Bayern wirkten die Schalker zumeist plump und völlig überfordert. „Die Mentalität war da. Wir wollten die drei Punkte – und das ist uns auch gelungen“, urteilte Bayerns Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger kühl. Das einseitige Bild setzte sich in der zweiten Hälfte nahtlos fort. Die Bayern spielten mit geringem läuferischen Aufwand aber großer Passsicherheit gnadenlos weiter, die Schalker Spieler hechelten nur hinterher. Und immer wenn die Münchner das Tempo ein wenig anzogen, waren sie auch erfolgreich. Nach 75 Minuten bediente David Alaba Franck Ribéry, der den Ball nur noch aus kurzer Distanz über die Torlinie zum 3:0 stochern brauchte. Nach 84 Minuten stellte Claudio Pizarro den Endstand zum 4:0 her, nachdem ihn der ebenfalls eingewechselte Thomas Müller perfekt bedient hatte. „Das war ein Klassenunterschied. Der Gegner war einfach zu stark, die Bayern waren die bessere Mannschaft. So ehrlich muss man sein“, sagte Höwedes.

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