• Keine Lobby, keine Lösung - Trainer Schäfer darf bei weiter wursteln, Dr. Neubauer geht

Sport : Keine Lobby, keine Lösung - Trainer Schäfer darf bei weiter wursteln, Dr. Neubauer geht

Karsten Doneck

Der Mann hat einfach keine Lobby mehr. Bei seinen unmittelbar Untergebenen, den Spielern, nicht. Bei den treuen Anhängern des Vereins nicht, die vehementer denn je seinen Rauswurf fordern. Und auch die Journalisten haben nach dem 0:4-Desaster gegen den VfL Bochum in geballter Form zum Ausdruck gebracht, was von diesem Trainer zu halten ist: nichts. Winfried Schäfer ist beim Fußball-Zweitligisten Tennis Borussia ein einsamer Mann, gestützt nur noch von dem Vorstandsvorsitzenden Erwin Zacharias. Der Trainer flüchtet sich auch vor der kommenden Partie am Sonnabend bei Energie Cottbus in die hinlänglich bekannten Allgemeinplätze. Statt über eigene Fehler nachzudenken, schwadroniert er nebulös herum. Seine Erinnerung an das Bochum-Spiel drückt sich zum Beispiel in einem Satz aus wie diesem: "Es hat irgendwas gefehlt in diesem Spiel." Wohl wahr: TeBe fehlt etwas. Ein neuer Trainer vielleicht?

Winfried Schäfer hat abgewirtschaftet. Gestern auf einer Pressekonferenz der Borussen verlas er eine sehr persönliche Erklärung. Er fühle sich durch die Berichterstattung der letzten Tage in den Medien in seiner Würde verletzt. Und: "Ich möchte noch einige Zeit in Berlin bleiben." Lange bevor die Pressekonferenz beendet war, erhob sich Schäfer von seinem Stuhl und verschwand aus dem Raum - Typ beleidigte Leberwurst.

Im SFB-Fernsehen hatte der Trainer unlängst mal erklärt, er habe eine neue Zeitrechnung, und die beginne für ihn am 6. Januar 2000. Alles, was zuvor gewesen sei, zähle nicht. Also gut. Nur: Schäfers Bilanz nach neuer Zeitrechnung kennzeichnet auch eine hohe Peinlichkeits-Quote: drei Siege, zwei Remis, vier Niederlagen.

Es heißt, die Göttinger Gruppe wolle und könne künftig nicht mehr in bisherigem Umfang in das Fass ohne Boden, namens TeBe, investieren. Und der Verein könne es sich deshalb nicht leisten, Schäfer wegen anhaltender Misserfolge zu entlassen. Der Trainer hat sich damals in seinen Vertrag einen Passus einarbeiten lassen, in dem er im Falle einer unfreiwilligen Demission sein volles Gehalt bis Vertragsende 2002 auf einen Schlag ausbezahlt bekommt - derzeit eine Summe von rund vier Millionen Mark.

Schäfer könnte, noch jedenfalls, sein Gesicht wahren. Indem er aus freien Stücken den Kram hinschmeißt, zurücktritt und jemand Anderen in dem Scherbenhaufen herumtrampeln lässt, den er angerichtet hat. Schäfer würde sogar noch einen gewissen Respekt ernten, wenn er dabei auf die eine oder andere der ihm zustehenden Millionen verzichten würde.

In diesem Sinne ging der umstrittene Mannschaftsarzt Dr. Jochen Neubauer übrigens mit gutem Beispiel voran. Der 48-Jährige, des Kinderdopings in der früheren DDR für schuldig befunden, einigte sich mit dem TeBe-Vorstand, das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Ohne medizinische Betreuung reist TeBe deshalb aber nicht nach Cottbus. Die Nachfolge tritt Dr. Dietrich Wolter an. Der 34-jährige Orthopäde und Sportmediziner ist im Auguste-Viktoria-Krankenhaus tätig, er gehört seit 1995 dem ärztlichen Betreuerstab des Deutschen Tennis Bundes an.

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