Sport : Keine Lust auf Kanada

Bei der Straßen-WM in Hamilton fehlen Armstrong, Ullrich und andere prominente Radprofis

Hartmut Scherzer

Hamilton. Hein Verbruggen hört und liest die Kritik: kein Lance Armstrong, kein Jan Ullrich. Was ist die Straßen-Weltmeisterschaft am Sonntag in Kanada also noch wert? Der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI muss sich immer wieder vorhalten lassen, der Termin am zweiten Oktober-Sonntag sei einfach zu spät. Die Stars legen nach einer langen Saison und einem heißen Sommer lieber die Beine hoch, als im frischen Herbst in Kanada noch um das Regenbogentrikot zu kämpfen.

„Es ist mir egal, dass die beiden nicht in Kanada sind“, erklärte der resolute Holländer in einem Interview der belgischen Zeitung „Het Nieuwsblad“. Verbruggen verwies auf die letzte Rad-WM außerhalb Europas 1995 in Kolumbien, auch im Oktober. „Obwohl wir kaum hundert Teilnehmer hatten, war es doch ein fantastisches Rennen mit Olano als würdigem Weltmeister. Ich habe keinen gehört, der gesagt hätte: ,Gut, Olano hat gewonnen, aber Armstrong war nicht da.’“ Mit diesem Vergleich irrt der UCI-Präsident. Der Superstar hieß damals nicht Lance Armstrong, sondern Miguel Indurain. Der war da, wurde Zweiter hinter Olano und holte den Titel im Zeitfahren.

Armstrong aber hat sich nach keinem seiner fünf Tour-Siege bei einer Straßen-WM blicken lassen. Sein Argument: „Weltmeister war ich schon 1993.“ Jan Ullrich hat nach seinem Comeback nur diesmal keinen Bock mehr. Sonst hatte der Herbst stets einen besonderen Reiz für ihn, seine erstaunliche Spätform bis zur WM zu halten. 2001 in Lissabon und 1999 in Verona wurde der Telekom-Star jeweils Zeitfahrweltmeister.

Dennoch: Wie glanzvoll ist diese WM noch, wenn die ersten sechs der Tour fehlen, außer Armstrong und Ullrich noch Winokurow, Hamilton, Zubeldia und Mayo? Wenn die anderen Rundfahrt-Sieger Simoni (Giro) und Heras (Vuelta) das Rundstreckenrennen nicht mögen? Wenn Titelverteidiger Mario Cipollini absagt, weil ihm der Kurs zu schwer ist? Wenn auch die Sprintstars Petacchi, Cooke und McEwen fehlen? Diese Fragen muss sich das Favoritentrio Paolo Bettini, der Weltpokalsieger, Oscar Freire, der zweimalige Weltmeister, und Erik Zabel, der Weltranglistenerste, stellen.

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