Sport : Keine nostalgischen Schwärmereien - die Partie heute gegen KSC ist Normalität

Karsten Doneck

In Gefühlsduselei versteigt sich Winfried Schäfer nicht. Dabei beinhaltet seine ganz persönliche Vergangenheitsbewältigung doch genügend Stoff für Schwärmereien und Sentimentalitäten. Rassige Europapokalabende, manche Bundesliga-Gala, Ovationen der Fans - beim Karlsruher SC genoss der Fußballlehrer Schäfer fast zwölf Jahre lang Ruhm und Anerkennung. Werte, um die er bei seinem jetzigen Arbeitgeber, dem Zweitligisten Tennis Borussia, noch hart kämpfen muss. Und wie der Spielplan so will: Heute (15.30 Uhr, Mommsenstadion) trifft TeBe auf die Karlsruher. "Ein solches Spiel ist Normalität. Das Besondere ist für mich vorbei", blickt Schäfer ohne Nostalgie-Anwandlungen auf das Duell mit seinem früheren Arbeitgeber. Emotionslos ist er freilich nicht. "Für mich zählt eines: der Aufstieg mit TeBe", sagt Schäfer.

Seine Einstellung änderte sich auch dadurch nicht, dass ihm beim ersten und bisher einzigen Auftritt mit TeBe im Karlsruher Wildparkstadion die KSC-Fans lautstark mitteilten, dass sie den Mann mit der blonden Mähne noch immer ins Herz geschlossen haben. 0:0 endete die Partie am 3. Mai - und ungeachtet des seinerzeit eher trostlosen Ballgeschiebes drangen unüberhörbar aus der Kurve die Gesänge: "Winni Schäfer - du bist der beste Mann." Eher in geheimer Mission tauchte Schäfer am vergangenen Montag erneut an seiner früheren Wirkungsstätte auf, mischte sich beim Spiel des KSC gegen den VfL Bochum (1:3) auf der Tribüne mitten unters Volk und notierte auf einem DIN-A-4-Blatt eifrig mit, was da auf dem Rasen Taktisches vor sich ging. Ergebnis seiner Recherche: "Der KSC hat äußerst unglücklich agiert, das Ergebnis entspricht nicht dem Spielverlauf."

Um diesen Karlsruher SC zu bezwingen, mahnt Schäfer erhöhte Konzentration bei seinen Profis an. Nebengeräusche von unzufriedenen Spielern, wie sie in dieser Woche mal ganz leise anklangen, stören nur und werden nicht geduldet. Wenn sich aber ehrgeizige Kräfte wie Jens Melzig, Mathias Hamann oder Sergej Kirjakow stets nur auf der Bank wiederfinden, dann entsteht daraus zwangsläufig ein Pulverfass, das irgendwann explodieren könnte. Schäfer sieht diese Entwicklung gelassen. "Es wird immer Konflikte geben, es gibt keine Saison ohne Konflikte", sagt er. Wer aber in Verdacht gerät, das gemeinsame Ziel, den Aufstieg, durch Stänkereien zu gefährden, für den hält Schäfer einen besonderen Platz reserviert, "derjenige", droht er, "sitzt nicht mehr auf der Bank, sondern auf der Tribüne."

Nun ist bekannt, dass Schäfer gerne die Dinge in seinem Arbeitsumfeld im Griff hat. Das schließt nicht aus, dass er von manch rascher Entwicklung im Verein offenbar überrumpelt wird. Zu Saisonbeginn teilte der Trainer mit, dass in seinen Planungen unter anderem Fahed Dermech und Toni Micevski keine Rolle mehr spielen. Bei der Pressekonferenz am Donnerstag folgte die Kehrtwendung: Da erzählte Schäfer, er habe Dermech und Micevski mit Einzeltraining beschäftigt und ihnen im Kreis aller Reservisten gesagt, auch sie sollten sich fit halten, vielleicht brauche er sie mal. Gestern, nur 24 Stunden später, meldete TeBe, Micevskis Vertrag sei aufgelöst und der 29-Jährige an Mazedoniens Erstligisten Pelister Bitola abgegeben worden. Dermech, so ist zu hören, steht nach wie vor in engem Kontakt zu Fortuna Düsseldorf. Empfanden die Beiden Schäfers Einzeltraining vielleicht als derart qualvoll, dass sie nun schleunigst das Weite suchen?

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