Sport : Keine Offensive

Albas Basketballer verlieren zum siebten Mal auswärts – dafür ist die Bundesliga so aufregend wie nie

Benedikt Voigt

Berlin - Sonntagmittag musste Henrik Rödl für kurze Zeit nicht an Basketball denken. Der Trainer von Alba Berlin ging mit seinen Kindern und Frau Susan zum Essen, es dürfte eine erfreuliche Abwechslung nach jenem schmerzhaften Erlebnis vom Vorabend gewesen sein. Allerdings hatte Rödl längst seine Gelassenheit wieder gefunden. „Das kommt vor“, sagte der 36-Jährige, „das war nur ein Spiel.“

Am Vorabend hatte Alba Berlin in der Bundesligapartie bei den Opel Skyliners die höchste Niederlage dieser Saison hinnehmen müssen – 82:103. „Eine Erklärung dafür habe ich nicht“, sagte Henrik Rödl, „die Mannschaft wollte, aber es ging nicht.“ Zeitweise hatte sich ein Klassenunterschied zwischen beiden Teams offenbart, obwohl Alba in dieser Saison den Anspruch hat, den an Frankfurt verlorenen Titel zurückzuholen. Am Samstagabend aber zeigte die Mannschaft von Trainer Murat Didin, wer der amtierende Meister ist. „Mir war vor dem Spiel klar, dass wir in Frankfurt nur gewinnen können, wenn wir ein großartiges Spiel liefern“, sagte Rödl. Es wurde das schwächste der Spielzeit. Die Saison hatte Alba mit dem Trainerwechsel im Januar bereits einen Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte beschert.

Der neue Trainer bemängelte nicht so sehr die Defensive, die 103 Punkte hinnehmen musste. Zwar war der Frankfurter Chris Williams mit 21 Punkten und 9 Rebounds gemeinsam mit Pascal Roller (21 Punkte, 9 Assists) bester Werfer des Spiels. „Aber wir hatten Williams im Griff, er hat seine Punkte meistens durch Fast-Breaks erzielt“, sagt Rödl. „Mit Roller hatten wir große Probleme.“ Entscheidend sei jedoch die schwache Offensivleistung gewesen. 19 Ballverluste leisteten sich die Berliner, oftmals sogar im Spielaufbau, so dass die Frankfurter im Gegenzug sofort zu leichten Punkten kamen. So erklären sich auch die vielen Dunkings, die krachend im Berliner Korb einschlugen. Zudem verfehlten die Berliner meistens mit ihren Distanzwürfen das Ziel. Nur 22,2 Prozent der Dreipunktewürfe fielen durch den Ring, anders die Frankfurter, die aus der Distanz fast die Hälfte ihrer Würfe versenkten. Alba fehlten offensichtlich Stefano Garris und Mithat Demirel, die mehr Gefahr hinter der Dreipunktelinie verbreiten können. Michael Wright war mit 19 Punkten noch der beste Werfer der Berliner. Doch für ein Lob des Trainers reichte das nicht: „Wenn man so verloren hat, braucht man nicht über einzelne Spieler zu sprechen.“

Es war die siebte Niederlage der Berliner in der Bundesliga, alle passierten in der Fremde. Die Auswärtsschwäche sei ein allgemeines Phänomen in der Liga, glaubt Rödl. „Zu Hause sind die Teams deutlich stärker, die Auswärtsniederlagen passieren nicht nur uns.“ Auch der aktuelle Tabellenführer Köln hatte in Frankfurt eine hohe Niederlage kassiert (74:89). Sieben Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde ist die Bundesliga dafür aufregend wie nie zuvor. Die ersten acht Teams liegen nur sechs Punkte auseinander. „Mit ein oder zwei Niederlagen kann man nach unten abrutschen, die Leute wollten doch immer diese Spannung“, sagte der Trainer.

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