Sport : Keine Ostalgie beim Spiel in Essen

Sandra Dassler

Berlin/Essen - Der befürchtete Ansturm junger Pioniere mit Ampelmännchen- Shirts und DDR-Fahnen fand nicht statt. Dafür reisten zur Begegnung in der Zweiten Fußball-Bundesliga zwischen Rot- Weiß Essen und Energie Cottbus einige Kamerateams von Sendern an, die Zweitligafußball sonst ignorieren. Der Grund war ein Schreiben, das der Essener Sicherheitsbeauftragte Dieter Uhlenbroich vor der Partie an die Cottbuser geschickt hatte. Darin hatte er den Fans aus der Lausitz das Mitführen von DDR-Symbolen untersagt. Begründung: „Es werden vermehrt DDR-Symbole gezeigt, um Fans aus dem Westen zu provozieren.“

In Cottbus reagierte man zunächst empört – die Energie-Fans kündigten an, nun mit blauen Wimpeln und FDJ-Hemden ins Ruhrgebiet zu fahren und begannen schon mal, die Texte alter DDR-Lieder einzustudieren. Zwei Tage später zog Essen das Verbot zurück. Unmittelbar vor dem Anpfiff des gestrigen Spiels entschuldigten sich die Gastgeber noch einmal bei den Fans aus der Lausitz, doch die hatten sich ohnehin längst beruhigt. „Wir waren nie ein Ostalgie-Verein“, sagte Energie-Sprecher Ronny Gersch. „Warum auch? Zu DDR-Zeiten war der Cottbuser Fußball bedeutungslos.“

So wurde die einzige DDR-Fahne im Essener Georg-Melches-Stadion von einem Fanclub aus dem Ruhrgebiet entrollt. Nachwuchskicker aus Essen präsentierten sogar ein Transparent, auf dem stand: „Essen und Cottbus – ein starkes Stück Deutschland.“ Über die Reaktion der Zuschauer darauf gab es unterschiedliche Berichte – die einen wollen Beifall, die anderen Pfiffe gehört haben. Die Energie- Chefs sagten nach den Spiel: „Das haken wir ab“ – und meinten damit nicht nur die 2:4-Niederlage. Fazit eines Cottbuser Fans: „Es war ein gutes, faires Spiel. Vielleicht sollten wir zur Versöhnung beim Rückspiel in Cottbus gemeinsam mit den Essener Fans das Steigerlied der Bergarbeiter singen.“

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