Sport : Keine Stars, kein Image, viele Schulden

Welche Probleme der Verein lösen muss

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Hertha BSC hatte nicht nur Schwierigkeiten mit dem Trainer. Nach der Entlassung von Falko Götz und dem Wechsel zu Karsten Heine muss der Verein noch viele andere Probleme lösen. Eine Übersicht:

Die Finanzen. Hertha drücken etwa 45 Millionen Euro Schulden. In der Planung des Klubs sind für die kommende Saison für Verpflichtungen null Euro eingeplant. Dass eine überdurchschnittliche Platzierung in der Bundesliga und damit verbundene Mehreinnahmen aus den Fernsehverträgen erzielt werden, ist nach dem Saisonverlauf beinahe ausgeschlossen. Zusätzlich muss der Klub jetzt noch eine Abfindung an den ehemaligen Trainer Falko Götz zahlen, die bei etwa einer Million Euro liegen dürfte. Dass Hertha BSC in der nahen Zukunft Profis aus laufenden Verträgen herauskaufen kann, ist unwahrscheinlich. Die Berliner werden sich weiterhin nach Spielern umsehen müssen, die ablösefrei zu haben sind.

Der Spielmacher. Yildiray Bastürk verlässt den Verein am Ende der Saison – das ist so gut wie sicher. Der Türke hat alle Fristen des Klubs verstreichen lassen, Hertha sieht sich nach einem neuen Mittelfeldspieler um, während Bastürk mit dem VfB Stuttgart spricht. Hertha braucht einen neuen Antreiber, der ablösefrei zu bekommen ist. Eine interne Lösung mit Kevin-Prince Boateng oder Gilberto gilt als unwahrscheinlich, weil beide in der zentralen Rolle noch nicht überzeugten. Marcelinho erlebt in Wolfsburg gerade seinen zweiten Hochsommer – eine Rückkehr des einstigen Stars hat Dieter Hoeneß aber bereits ausgeschlossen.

Der Sturm. Marko Pantelic steckt tief in der Krise. Der Serbe hat seit dem 27. Januar (damals verwandelte er einen Elfmeter gegen Wolfsburg) kein Tor mehr erzielt. Er wirkte zuletzt unkonzentriert und abgelenkt – Dieter Hoeneß glaubt, dass der 28-Jährige von einem Vereinswechsel geträumt hat. Nach einem Gespräch mit Pantelic und seinem Berater unmittelbar vor der Begegnung mit Bielefeld am vergangenen Samstag sieht Hoeneß aber Besserung: „Er bemüht sich wieder.“ Christian Gimenez spielt dagegen konstant, er trifft auch in der Rückrunde. Die Option im Vertrag des Argentiniers wird Hertha in den kommenden Tagen mit hoher Wahrscheinlichkeit ziehen – bis zum 15. April haben die Berliner Zeit, aus dem Ausleihgeschäft mit Olympique Marseille einen Kauf zu machen. Hoeneß hat das bereits angekündigt, noch versucht er den Preis für den Stürmer zu drücken. Kosten: etwa eine Million Euro.

Die Disziplin. Innenverteidiger Josip Simunic wurde gegen Bielefeld zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen des Feldes verwiesen. Im Dezember war Simunic im Training handgreiflich gegen Mitspieler Pal Dardai geworden. Im Januar gerieten Dick van Burik und Marko Pantelic aneinander – während eines Testspiels gegen Galatasaray Istanbul. Der neue Trainer Karsten Heine sagt: „Ich lege Wert auf Disziplin.“

Das Image. Das Gesicht des Vereins ist vor einem Jahr verkauft worden: Marcelinho. Nach außen steht nur Dieter Hoeneß für Hertha. Bei den Spielern sieht es mau aus: Pantelic ist beliebt bei einigen Fans, seine Extravaganz kommt aber nicht überall an. Der Liebling der Massen ist Andreas Neuendorf. Der Berliner kommt aber kaum mehr zum Einsatz. Sein auslaufender Vertrag wird wohl nicht verlängert. „Mit mir hat noch niemand gesprochen“, sagt Neuendorf. In Berlin können einige nichts mit Hertha anfangen, das betrifft vor allem Zugezogene. Überregional wirkt Hertha kaum. Verschiedene Imagekampagnen haben daran nichts geändert. Vielleicht kann es ein Trainer zur neuen Identifikationsfigur bringen. Hans Meyer hatte das vor gut drei Jahren geschafft.

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