Sport : Keinen Schatten gesehen

Der Franzose Jean-Pierre Carvalho triumphiert beim Großen Preis von Berlin in Hoppegarten

Ingo Wolff

Berlin. Josef Bojko war als Erster im Ziel. Doch das zählte nicht. Der Jockey war schließlich – auf einer Pferderennbahn absolut unüblich – mit dem Auto über die Ziellinie gefahren. Der Start zum Großen Preis von Berlin auf der Galopprennbahn Hoppegarten verzögerte sich dadurch. Aber aus triftigem Grund: Jockey Josef Bojko wurde kurz vor dem Hauptrennen eilig zurück zur Waage gefahren und musste sein Gewicht samt Sattel in der Hand noch einmal überprüfen lassen. Beim ersten Wiegen hatte er seine Bleiweste vergessen und so mussten sich seine elf Konkurrenten und die knapp 8000 Zuschauer in Geduld üben, ehe die Boxen für den Großen Preis aufgehen konnten.

Beim zweiten Anlauf schaffte es Bojko mit seinem Hengst Dark Mable nur als Neunter über die Ziellinie. Mit dem Ausgang des mit 55 000 Euro dotierten Gruppe-III-Rennens hatte er nichts zu tun. Jean-Pierre Carvalho setzte sich schon zu Beginn der 1300 m an die Spitze und sicherte sich mit dem dreijährigen Hengst Fiepes Shuffle die 32 000 Euro Siegprämie in einem der wichtigsten deutschen Sprintrennen. „Ich habe früh gemerkt, dass er gut galoppiert", sagt der Franzose. „Ich habe die ganze Zeit keinen Schatten neben mir gesehen und fühlte mich deshalb nie in Gefahr."

Trainer Mario Hofer war mit drei Pferden zu diesem Rennen angereist. Das ist durchaus etwas ungewöhnlich für ein Pferdesportereignis, das von der Wertigkeit her vergleichbar ist mit der Champions League im Fußball. Dennoch war er sich schon vorher sicher, dass eines seiner Pferde vorne mitlaufen würde. „Fiepes Shuffle war von der Form her der beste", sagt Hofer. Und selbstbewusst erklärt der Krefelder auch: „Die beiden anderen hatten einen unglücklichen Rennverlauf und wären sonst auch vorne eingelaufen."

Mit Jean-Pierre Carvalho hatte er eine offensive Taktik abgesprochen. „Ich wollte von der Spitze her laufen", sagt der Franzose. So konnte er sich aus dem hart geführten Kampf um die weiteren Plätze raushalten. Sich da durchzusetzen, gelang am besten dem englischen Jockey Michael Fenton. Mit dem einzigen ausländischen Gast Topkamp lief er als Zweiter durchs Ziel. Allerdings bekam er für seinen heftigen Einsatz mit der Stute rund 100 m nach dem Start gegen den Favoriten Ingolf eine Strafe von 3000 Euro aufgebrummt. Diese Summe muss er als Ausgleich für einen möglicherweise entgangenen Gewinn an die Besitzerin von Ingolf zahlen. Ingolf wurde nach Auswertung des Zielfotos hinter Toylsome nur Vierter. Der Vorjahressieger hatte mit Jockey Filip Minarik am Ende eine Nasenlänge Vorsprung.

Für Jean-Pierre Carvalho war der Tag vor seinem 32. Geburtstag ohnehin überaus erfolgreich. Im Rennen nach dem Großen Preis gewann er mit dem Außenseiter Minerwa und stand gemeinsam mit Hofer ein zweites Mal auf dem Siegerpodest. Schon im vierten Rennen hatte er mit All Our Luck die Konkurrenz hinter sich gelassen, diesmal durfte sich aber Hofers Konkurrent Andreas Wöhler über den Sieg für seinen Stall freuen.

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