Sport : Keinen Urlaub verdient

Michael Schumacher ist zum Saisonbeginn selbstkritisch und kämpferisch

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Am Sonntag beginnt mit dem Großen Preis von Bahrain die neue Saison in der Formel 1. Sie sind siebenmaliger Weltmeister, aber in der vergangenen Saison hatten Sie sehr schnell keine Titelchancen mehr. Um wie viel sind Ihre Chancen in diesem Jahr größer als 2005, Weltmeister zu werden?

Um einiges. Im vergangenen Jahr war es im Prinzip aussichtslos, diesmal dürften wir zumindest konkurrenzfähig sein. Das ist ein großer Fortschritt, und er macht mir große Lust auf einen guten, harten Wettkampf.

Welchen Eindruck haben Sie vom neuen, modifizierten Ferrari?

Einen sehr guten. Ich bin überzeugt, dass er das Potenzial hat, um die Titel mitzukämpfen. Das ist erst einmal der wichtigste Punkt. Denn es wird sehr eng werden dieses Jahr.

Ihr Teamchef Jean Todt sieht in den neuen Regeln nichts Negatives. Zum Beispiel ist es jetzt wieder erlaubt, während des Rennens die Reifen zu wechseln. Geht es Ihnen auch so wie Todt?

Ja, und ich will mir die Dinge auch lieber erst mal anschauen, bevor ich mir eine Meinung dazu bilde. Die Reifenwechsel sind auf jeden Fall ein Vorteil, vor allem aus Sicherheitsgründen. Im vergangenen Jahr, als sie das gesamte Rennen durchgefahren werden mussten, kam es für meinen Geschmack viel zu häufig zu Abflügen wegen abgefahrener Reifen.

Sie haben in einem Interview zugegeben, dass Sie in der vergangenen Saison nicht an Ihre Leistungsgrenzen gegangen sind. Sie sind vor dieser Saison so früh wie schon lange nicht mehr ins Auto gestiegen, um zu testen. Ist der verkürzte Urlaub eine Reaktion auf die Erkenntnis, nicht wirklich alles gegeben zu haben? Und was haben Sie vor der neuen Saison besser gemacht als in der vergangenen?

Was ich in dem Interview gesagt habe, ist, dass ich in manchen Situationen ebenfalls nicht 100 Prozent aus mir rausgeholt habe, und natürlich war der verkürzte Urlaub eine Reaktion darauf. Ich hatte nach dem letzten Rennen der vergangenen Saison einfach nicht das Gefühl, Urlaub machen zu wollen, geschweige denn, Urlaub verdient zu haben. Man darf jetzt nicht den Fehler machen, daraus zu schließen, dass ich jemals nicht bestmöglich vorbereitet war, wenn ich in eine Saison gegangen bin. Das war ich immer, und ich glaube, die Ergebnisse zeigen das auch. Diesmal habe ich eben durchtrainiert, wo ich vorher eine Pause gemacht und mich dann wieder hochtrainiert habe. Ich will einfach wie sonst auch sicher gehen, dass meine persönliche Vorbereitung ideal ist.

Ein großes Problem von Ferrari waren in der vergangenen Saison die Bridgestone-Reifen. Müssen Sie nach den Testergebnissen damit rechnen, dass es wieder so kommen wird?

Wir gehen davon aus, dass sich die Situation deutlich verbessert haben wird. Bridgestone hat im Winter gemeinsam mit uns sehr hart gearbeitet, und zudem haben wir nun die Daten auch der anderen Bridgestone-Teams verfügbar. Mehr Daten bedeuten natürlich auch mehr Erkenntnisse, daher sind wir in diesem Punkt zuversichtlich.

.Die Fragen stellte Frank Bachner.

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