Sport : Keiner ist gleicher

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Von Helmut Schümann

Seoul. Morton Olsen, der dänische Trainer, hat sich erfreut gezeigt über die Qualität der bisherigen Spiele dieser Weltmeisterschaft. Es dürfte nur schwer einer zu finden sein, der dem widersprechen würde. Anders als bei früheren Turnieren sind alle Mannschaften in den Vorrundenspielen schon mit aller Kraft dabei - und nicht nur mit der Kraft des taktischen Kalkulierens. Was möglicherweise auch damit zu tun hat, dass die meisten Teams inzwischen auf so hohem technischen, taktischen und athletischen Niveau spielen, dass sie es schlicht nicht nötig haben, auf Resultat zu spielen und sich mit möglichst wenig Aufwand in die nächste Runde zu schleichen.

(Na ja, es gibt auch Gegenbeispiele von Mannschaften, die technisch vielleicht nicht ganz so versiert sind – und noch gegen Kamerun ran müssen, aber vielleicht sollte man an dieser Stelle Rudi Völler und seine Spieler nicht noch mehr frustrieren. Sie sind ja geschlagen genug nach dem 1:1 gegen Irland. Und Völler, der arme Kerl, hat ja in der Nacht kein Auge zugetan.)

Es geht also erfreulich zu hier bei der WM. Mit der überraschenden Entwicklung, dass große Fußballnationen klein geworden sind. Das macht es schon spannend, wenn Frankreich nach zwei Spielen immer noch wankt und Portugal schon nach einem Spiel grübelt. Und wenn England auch schon wieder bangte und Brasilien gegen die Türkei den Schiedsrichter braucht und Deutschland…

Und woran liegt’s? An der Güte der Gegner gewiss, in der ja kaum noch ein Spieler zu finden ist, der nicht in einem europäischen oder lateirikanischen Team spielt. Und ein bißchen liegt’s wohl auch daran, dass die jeweiligen Superstars eben Superstars sind. Dann will nämlich niemand auf sie verzichten. Nicht die Nationalmannschaften und nicht die Vereine, die das viele Geld zahlen. Zinedine Zidane, der Franzose, hat eine elendlange Saison gespielt, an deren Ende er mit Real Madrid die Champions-League gewann und im Finale gegen Bayer Leverkusen ein Tor schoss, das auch für ihn eine Besonderheit darstellt. Ob die Verletzung, die er sich im freundschaftlichen Vorbereitungsspiel gegen Korea geholt hat, nicht doch Folge der Saison ist? Diese Verletzung elektrisiert ja gerade Frankreich, weil Zidane offenbar unersetzlich ist. Seltsam ist das ja schon, schließlich ist Frankreich Welt- und Europameister und zwar nicht allein wegen Zidane. Aber egal, auf jeden Fall hat Frankreich jetzt den Schlamassel. Wer weiß, ob die Mannschaft ins Achtelfinale einzieht. Zidane soll ja spielen im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark, aber er ist noch nicht richtig fit.

Luis Figo, der Portugiese, der hat auch eine elend lange Saison gespielt – auch für Real Madrid. Lange war er verletzt, teilweise hat er sich fürs Spiel gesund gespritzt – und jetzt hat auch Portugal den Schlamassel, weil Figo einfach nicht gut drauf ist. England hat David Beckham, der hatte einen Fußbruch, und dieser Bruch ist noch nicht lange ausgeheilt. Aber gestern verwandelte Beckham einen Elfmeter gegen Argentinien, sein Team gewann 1:0, aber ohne Beckham lahmt England. Michael Ballack erlebte in Leverkusen ein Schrecken ohne Ende, quälte sich, war auch verletzt - und ist jetzt nicht der große Lenker.

Und was lehrt das? Die Superstars sind es, die den Unterschied machen zwischen großen und grandiosen Mannschaften. Jetzt sind sie malade, die Superstars, und die Mannschaften sind gleichwertig. Auch deshalb gibt es so viele offene Spiele.

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