Sport : „Keiner schaut nach vorn“

Navratilova siegt – und fordert radikale Änderungen

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Melbourne (dpa). Als sich alle in die Vergangenheit zurückversetzt fühlten, dachte Martina Navratilova an die Zukunft. Die 46Jährige hatte soeben an der Seite der Russin Swetlana Kusnetsowa durch ein 5:7, 6:1, 6:3 gegen Myriam Casanova (Schweiz) und Nicole Pratt (Australien) die zweite Runde im Doppelwettbewerb der Australian Open erreicht – 14 Jahre nach ihrem letzten Auftritt in Melbourne, an der Seite einer 29 Jahre jüngeren Partnerin. Doch für nostalgische Rückblicke nahm sich die 56-malige Grand-Slam-Siegerin keine Zeit. Nach dem Match forderte sie radikale Änderungen für das Damen-Tennis.

„Das Spiel hat sich entwickelt, nicht aber die Strukturen“, sagte die gebürtige Pragerin. Die Profi-Vereinigung WTA stünde einer größeren Attraktivität im Wege. Denkbar sei ein System mit erst- und zweitklassigen Turnieren sowie mit Auf- und Abstieg von Spielerinnen am Ende einer Saison. Weil der Sport von Rivalitäten lebe, seien mehr Duelle der Topspielerinnen gegeneinander nötig. Dafür forderte Navratilova die Einführung von zwölf Topturnieren neben den vier Grand Slams, bei denen alle Spielerinnen zur Teilnahme verpflichtet seien, vergleichbar mit der Masters-Serie bei den Herren.

„Alle kümmern sich nur um ihre kleinen Turniere, keiner schaut nach vorn. Die Spitzenspielerinnen reisen zu 20 Turnieren, sehen sich jedoch kaum. Aber das sage ich seit 20 Jahren“, erklärte Navratilova, die seit zweieinhalb Jahren wieder im Doppel-Einsatz ist und nebenbei als TV-Kommentatorin arbeitet.

Kritik übte Martina Navratilova auch an den Kriterien für die momentane Weltrangliste, in der die Spielerinnen bei Turnieren ihre erreichte Punktzahl aus dem Vorjahr verteidigen müssen. Zudem gibt es Bonuspunkte bei Erfolgen über Topspielerinnen. Die Rangliste belohne Quantität, nicht Qualität: „Wollen die Spielerinnen drei Wochen pausieren, können sie das nicht, weil sie sonst abrutschen.“ Einen Wechsel in das Management der WTA kann sich Martina Navratilova zwar vorstellen, allerdings erst nach ihrem endgültigen Rückzug vom Tennisplatz.

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