Sport : Keiner spielt für sich allein

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Ein Mantra ist ein Mantra ist ein Mantra, vor allem wenn es so häufig beschwört wird, wie jenes der strikten Trennung zwischen Sport und Politik. Zuletzt hat es der oberste Gralshüter der internationalen Sportindustrie, Joseph Blatter, in Bezug auf die gar nicht von seiner Fifa ausgetragene Fußball-Europameisterschaft wieder getan. Auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge, betont gerne die vollständige Autonomie des Sports.

Das jüngste Beispiel dafür, wie überholt dieses Paradigma ist, kommt aus Argentinien. Vor den Olympischen Spielen in London drehten die Südamerikaner einen Werbespot für das eigene Olympiateam – auf den zu England gehörenden Falklandinseln, die Argentinien für sich beansprucht. Motto des bereits ausgestrahlten Films: „Um auf englischem Boden wetteifern zu können, trainieren wir auf argentinischem Boden.“ England verurteilte die Provokation, die Argentinier freuten sich, aber offiziell kann man alles auf den Sportverband schieben. Der ist ja unabhängig.

Was bislang kaum diskutiert wird, ist die Frage, was so schlimm daran wäre, wenn demokratisch gewählte Politiker Einfluss auf Sportverbände ausüben könnten, statt diese allein schwer kontrollierbaren Sportfunktionären zu überlassen. Auf jeden Fall brauchen Sportverbände transparente Regeln für den Umgang mit der Politik. Gerade auch für den Umgang mit den ausrichtenden Ländern von Großereignissen. Durch gebetsmühlenartiges Wiederholen einer überkommenen Wahrheit wird diese nunmal nicht richtig.

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