Kenan Bajramovic : Auf der Durchreise

Alba verspricht sich eine Menge vom neuen Power Forward aus Bosnien. Bei seiner Vorstellung in Berlin zeigt sich Kenan Bajramovic zunächst aber wenig enthusiastisch.

Helen Ruwald
297926_0_9285714e.jpg
Bei der Arbeit. Kenan Bajramovic (mit Ball) soll für Alba unter den Körben aufräumen.Foto: AFP

Kenan Bajramovic versucht gar nicht erst so zu tun, als sei Alba Berlin der Klub seiner Träume. „Wir sind Profis. Wir kommen, geben das Beste für den Klub und uns selbst und gehen wieder“, sagte der 28-jährige Bosnier bei seiner Vorstellung in Berlin, bei der er zunächst ziemlich gleichgültig wirkte, ehe er beim Erzählen immer häufiger grinsen musste. Etwa, als er verriet, warum er als Jugendlicher vom Tischtennis zum Basketball wechselte. „Mit dem Typen auf der anderen Seite der Platte kannst du nicht viel machen. Wenn man Körperkontakt hat, kann man alles machen.“ Oder auf Englisch: „ If you don’t bang him, he bangs you.“

Vor zwölf Tagen hatte der Bundesligist den Power Forward, der Gegner schon durch seine physische Präsenz einschüchtern soll, für zunächst eine Saison verpflichtet. Nach dem medizinischen Check reiste er ins Trainingslager nach Slowenien nach und absolvierte dort noch die letzten Trainingseinheiten mit seinem neuen Team. Nun ist Bajramovic in Berlin angekommen, und sein Arbeitgeber äußert sich wesentlich enthusiastischer über den Deal als der 2,06 Meter lange Profi. Bajramovic soll seinen Vorgänger Ansu Sesay nicht nur ersetzen, sondern deutlich mehr bieten.

Bajramovic ist eigentlich außerhalb von Albas Preisklasse, das gibt der Bundesligist freimütig zu. Dass die Berliner den bosnischen Nationalspieler dennoch verpflichten konnten, liegt an den Folgen der Wirtschaftskrise: Mit Ausnahme der Topklubs agierten die Vereine auf dem Transfermarkt wesentlich zurückhaltender als früher, sodass verzweifelte Spielervermittler irgendwann die Gehaltsforderungen senken mussten, um ihre Klienten überhaupt noch unterzubekommen.

Schon Albas ehemaliger Trainer Emir Mutapcic, der wie Bajramovic aus Zenica stammt, wollte seinen Landsmann zu Alba locken. Mit mehrjähriger Verspätung ist es nun gelungen. Doch was der Klub, der auf die Physis, den guten Wurf und die Erfahrung des Neuen setzt, als Glücksfall sieht, ist für den Spieler eine Station von vielen, jederzeit austauschbar, so wie in seinem Basketball-Wanderleben der vergangenen Jahre. 2005 wechselte er von Bosna Sarajevo erstmals ins Ausland, verbrachte zwei Jahre in der Ukraine bei Azovmash Mariupol, ein Jahr beim litauischen Topklub Lietuvos Rytas Vilnius, mit dem er – auch dank seiner durchschnittlich elf Punkte pro Spiel – ins Top-16 der Europaliga einzog. Anschließend machte er ein paar Monate in Kiew Station und ein paar in Ankara.

„Ich hatte auch Angebote von Galatasaray Istanbul und Cibona Zagreb“, erzählt Bajramovic. Den Ausschlag für Alba gaben Gespräche mit Trainer Luka Pavicevic, der ihn von seinem Konzept überzeugte. Blagota Sekulic kümmert sich in Berlin um den Neuen. „Berlin ist eine schöne Stadt“, sagt Bajramovic betont freundlich, obwohl er außer Halle und Wohnung noch kaum etwas gesehen hat. Mit der Sprache seiner neuesten Zwischenstation auf dem Weg nach Irgendwo wird er sich wohl nicht näher befassen. „Ich spreche Englisch und Russisch“, sagt er, „das ist ganz okay.“ Alles andere als in Ordnung findet er allerdings den Bundesliga-Spielplan. Dass die Saison von Anfang Oktober bis Juni dauert, ist für ihn unfassbar. „Ich weiß nicht, warum sie nicht zweimal pro Woche spielen, damit die Saison schneller vorbei ist.“ Und dann auch noch täglich zweimal Training, „das ist ein hartes Leben“, sagt er und grinst nun überhaupt nicht mehr.

Zweimal wöchentlich wird er aber zumindest im Herbst spielen dürfen, wenn Alba in der Europaliga oder im zweitklassigen Eurocup antritt. Am 30. September beginnt die Europaliga-Qualifikation mit den Spielen gegen Le Mans. „Jeder will Europaliga spielen, aber wenn wir verlieren und Eurocup spielen, ist es auch okay.“, sagt Bajramovic. Und klingt wieder ziemlich gleichgültig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben