Sport : Kennzeichen B

Svetislav Pesic trainiert in Barcelona das beste Basketballteam Europas – und trifft heute auf seine alte Liebe Alba Berlin

Benedikt Voigt

Barcelona. Wenn Svetislav Pesic nach dem Training im Palau Blaugrana einen Ort für ein Gespräch sucht, wählt er eine harte Holzbank in einem dunklen Gang gegenüber der Umkleidekabine. „Wir können auch in mein Büro gehen“, sagt der Basketballtrainer des FC Barcelona, „aber hier kann man rauchen.“ Neben der ungemütlichen Bank steht ein hüfthoher, silberner Aschenbecher.

Svetislav Pesic nimmt ein Zigarillo aus dem Etui und wickelt es aus der Zellophanhülle. Eine halbe Stunde wird er auf der Bank sitzen und reden und das Zigarillo in der Hand halten. Anzünden wird er es nicht.

Svetislav Pesic ist Trainer der wahrscheinlich besten Basketball-Vereinsmannschaft Europas. Das schmeichelt ihm, aber ausgesprochen hört er es nicht gerne. „Wir müssen das erst beweisen“, sagt der 53-Jährige. Dazu muss er mit dem FC Barcelona den Europaligatitel holen, dafür hat ihn Barcelona in der Sommerpause von Rhein Energie Cologne verpflichtet. Nun hat er mit Dejan Bodiroga den besten europäischen Basketballer, der nicht in der NBA spielt, in seinem Team. Er hat den litauischen Nationalspieler Sarunas Jasickevicius, den italienischen Nationalspieler Gregor Fucka, den deutschen Nationalspieler Patrick Femerling, den 2,21 Meter großen Centerhünen Roberto Duenas und so weiter. Pesic trainiert eine große Mannschaft, und er ist ein großer Trainer. Mit Jugoslawien holte er im September den Europameister- und den Weltmeistertitel. In Barcelona ist er unter Seinesgleichen. „Es macht Spaß hier“, sagt Pesic. Er beginnt gerade, Spanisch zu lernen. Trotzdem schafft er es nicht, sich auf der Holzbank vor der Umkleidekabine ein Zigarillo anzustecken. Weil ein anderer Klub seine Emotionen und Gedanken beansprucht: Alba Berlin.

Heute spielt Svetislav Pesic mit seiner Europaauswahl in der Euroleague gegen Alba Berlin. Das müsste eine Freude für ihn sein, eine Wiedersehensfeier, ja eine Geburtstagsparty, weil sein für Berlin spielender Sohn Marko am Tag nach dem Spiel seinen 26. Geburtstag begeht. Doch Svetislav Pesic sagt: „Spiele gegen Alba sind für mich eine Belastung.“ Sieben Jahre lang hat er Alba trainiert, den Korac-Cup mit diesem Klub gewonnen, vier Deutsche Meistertitel. Vor zweieinhalb Jahren hörte er bei Alba auf. Trotzdem hat er intensive Gefühle für den alten Klub. „Ich werde immer zu Alba gehören“, sagt Pesic, „da sind meine Spieler, meine Freunde.“

Mit Albas Trainer Emir Mutapcic verbindet ihn eine besondere Freundschaft. Als sich vor eineinhalb Wochen Albas Aufbauspieler DeJuan Collins eine schwere Fußverletzung zuzog, rief Mutapcic bei ihm an. Mutapcic diskutierte mit dem Trainer seines nächsten Europaliga-Gegners, wie sein Verein das Problem bewältigen könne. Den konkreten Vorschlag, John Celestand als Ersatz zu holen, was Alba am Montag getan hat, gab ihm Pesic zwar nicht. „Aber wir haben drei, vier Optionen durchgesprochen.“ Nun sagt der Trainer des FC Barcelona lachend: „Ich hoffe, dass Celestand gegen uns nicht das Spiel seines Lebens machen wird.“

Svetislav Pesic trifft heute seine alte Liebe. „Ich vermisse alles“, sagt er, wenn er über Berlin spricht, „das Hamlet, in dem ich immer meinen Kaffee trinke, den Wirt Antonio, meine Wohnung.“ Doch es ist wohl eher seine Zeit in Berlin, die Pesic wehmütig macht. Es spricht manches dafür, dass es ihm auch in Barcelona gefallen wird. Er schwärmt vom Wetter und dem Apartment mit Terrasse, das ihm der Verein besorgt hat. „Ich freue mich, dass ich endlich wieder mit meiner Familie zusammen sein kann.“ In Köln wohnte er ohne seine Frau Vera und die Tochter Ivana in einem Hotel.

Natürlich kann ihm dieser ruhmreiche FC Barcelona sportlich und finanziell mehr bieten als es Alba Berlin je konnte. Inzwischen ist er sogar bereit, für seinen neuen Verein auf den Posten als jugoslawischer Nationaltrainer zu verzichten. Sein Vertrag mit Jugoslawien ist nach der WM 2002 ausgelaufen. „Ich würde das gerne weitermachen“, sagt Pesic, „aber das ist schwierig.“ Barcelona möchte, dass er sich ganz auf seinen neuen Klub konzentriert. Pesic sagt dazu: „Im Moment ist es für mich nicht möglich, jugoslawischer Nationaltrainer zu sein.“ Svetislav Pesic gehört jetzt zum FC Barcelona. Am Ende eines Trainingstages steigt er in seinen silbergrauen Mercedes und fährt nach Hause in sein Apartment. Beim Torwächter des Trainingsgeländes muss er noch einmal kurz anhalten, dabei ist sein Nummernschild zu sehen. Es ist ein deutsches: B – P 5518.

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