Kerber scheitert an Asarenka : Hart geschlagen, aber verloren

Tennisprofi Angelique Kerber scheidet als letzte Deutsche im Viertelfinale der Frauenkonkurrenz aus. Sie unterliegt der Weltranglistenersten Victoria Asarenka nach großem Kampf.

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Gut, aber nicht gut genug. Angelique Kerber war die letzte deutsche Medaillenhoffnung im Einzel.
Gut, aber nicht gut genug. Angelique Kerber war die letzte deutsche Medaillenhoffnung im Einzel.Foto: AFP

Vier Wochen ist es her, dass Angelique Kerber zuletzt auf dem Centre Court von Wimbledon gespielt hat. Damals war es noch das Halbfinale des prestigeträchtigsten Turniers der Welt gegen Agnieszka Radwanska. Doch als die 24 Jahre alte Kielerin am Donnerstag zu ihrem olympischen Viertelfinale erneut den Rasen betrat, hatte das nicht mehr viel mit Wimbledon gemein. Laute Popmusik hämmerte aus den Lautsprechern, geradezu ein Frevel für Traditionalisten. Genau wie die Tatsache, dass das Stadion nicht einmal zur Hälfe gefüllt war. Wann hatte es das in Wimbledon jemals gegeben?

Dennoch sollte etwas so sein wie vor vier Wochen: Kerber verließ wieder als Verliererin den Platz. Und das, obwohl sie genauso leidenschaftlich gekämpft hatte. „Ich habe wirklich mein Bestes gegeben“, sagte sie, „mehr ging nicht.“ Aber auch wenn Kerber inzwischen die Nummer sieben der Welt ist und wie sie selbst feststellte, nicht nur „die Topspielerinnen schlagen kann, ich bin jetzt selber eine von ihnen“: An diesem Tag war die Weltranglistenerste Victoria Asarenka eine Nummer zu groß für sie. Mit 4:6 und 5:7 unterlag Kerber der Weißrussin, die so stark spielte, wie während des gesamten olympischen Turniers noch nicht. Asarenka prügelte die Bälle derart hart und flach über das Netz, dass Kerber sie oft nur noch aus der Hocke zurückspielen konnte. Jeden Schlag begleitete Asarenka mit schrillem Geschrei, für das sie mittlerweile berüchtigt ist. Kerber schrie mitunter genauso laut, wenn ihr doch der ein oder andere sehenswerte Winner gelang. Der Schrei, der unter dem geschlossenen Hallendach widerhallte, ging dann stets in ein „Come on“ über, zu dem Kerber kämpferisch die Faust in Richtung des deutschen Teams reckte. Sie wollte diesen Sieg, unbedingt.

„Ich wollte hier so weit kommen, wie es geht“, sagte Kerber später, „jeder hat den Traum von einer Medaille, aber das war ein weiter Weg.“ Besonders in diesem Viertelfinale. Mancher Ballwechsel schien nicht enden zu wollen. Mit furchterregender Härte und brachialem Tempo feuerten beide Spielerinnen die Filzkugel wieder und wieder über das Netz, doch am Ende machte Kerber entweder den Fehler oder Asarenka erzielte Winner aus den schwierigsten Winkeln. Viel besser kann man nicht Tennis spielen, das musste auch Kerber anerkennen, die ihrer Gegnerin ein paar Mal gar applaudierte. Schnell hatte Asarenka im ersten Satz mit 3:0 geführt, für Kerber standen da erst drei magere Punkte zubuche. „Ich bin zu spät ins Match reingekommen und sie hat zu viel Druck gemacht“, analysierte die letzte verbliebene Deutsche in Wimbledon, doch sie biss sich in die Partie. Die Zuschauer klatschten und johlten kräftig für das Spektakel auf dem Rasen, munterten besonders Kerber wieder auf. Asarenka zwang sie, riskant zu spielen, und es kostete Kerber viel Kraft, dass sie in beiden Sätzen dem Rückstand hinterher lief. Jedes Mal erkämpfte sie sich ein Rebreak, konnte ihren Aufschlag danach jedoch nicht halten.

Am Ende bäumte sich Kerber noch einmal auf, wehrte drei Matchbälle auch unter Mithilfe der Netzkante ab und schaffte tatsächlich noch ein Break zum 4:5. Asarenka aber spielte mit der Abgeklärtheit einer Grand-Slam-Siegerin und verhinderte, dass sich Kerber in den Tiebreak rettete. Der vierte Matchball saß. „Sicherlich bin ich enttäuscht“, sagte Kerber, „aber ich nehme so viel Positives mit. Wenn mir einer vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich bei Olympia im Viertelfinale stehe, hätte ich sofort unterschrieben.“

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