Kevin Durant und der Wechsel zu Golden State : Nie mehr nett

Der drittbeste Basketballer der Welt, Kevin Durant, wechselt von den Oklahoma City Thunder zu den Golden State Warriors – und erzürnt die Fans.

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Und Abflug. Kevin Durant noch im Trikot von Oklahoma City (rechts).
Und Abflug. Kevin Durant noch im Trikot von Oklahoma City (rechts).Foto: AFP/Yates

Kevin Durant hat kein Fernsehteam einbestellt. Er hat auch nicht tief Luft geholt und dann gesagt: „Diesen Herbst trage ich meine Talente an die Bucht von San Francisco.“ Der derzeit drittbeste Basketballer des Planeten hat bei seinem Wechsel von den Oklahoma City Thunder zu den Golden State Warriors eigentlich alle Fehler vermieden, die 2010 LeBron James begangen hatte. Der beste Spieler des Erdkreises hatte damals mit seiner medial inszenierten „Decision“, gegen Cleveland und für Miami Beach, fast alle Sportfans in den USA gegen sich aufgebracht. Das wollte Durant diesmal vermeiden.

Geklappt hat das nicht wirklich. Dass Durant vom NBA-Halbfinalisten Oklahoma City nun zu dem Team wechselt, das ihn im Mai aus den Play-offs geworfen hatte, stößt Fans wie Spielerkollegen übel auf. „Wenn du sie nicht schlagen kannst, schließ’ dich ihnen an“, lästerte Paul Pierce von den Los Angeles Clippers via Twitter. „Ein echter Superstar tut sowas nicht“, schrieb Jusuf Nurkic, eher kein Superstar bei den Denver Nuggets.

Doch ein echter Superstar hat genau das gerade getan. Nachdem Durants Vertrag bei den Thunder ausgelaufen war, hatte ihn die halbe Liga umworben. Viele Experten rechneten aber damit, dass der 27-Jährige noch einmal für zwei Jahre mit Ausstiegsklausel in Oklahoma unterschreiben würde, um abzuwarten, ob dort wirklich keine Meisterschaft zu gewinnen ist. Stattdessen hat Durant den gleichen Vertrag bei den Warriors unterschrieben, bei dem Rekordteam, mit dem NBA-Titel in Serie nun fast garantiert scheinen.

2015 war Golden State Champion, in der vergangenen Spielzeit stellten die Kalifornier mit 73 Saisonsiegen einen neuen Ligarekord auf. Trotzdem scheiterte die Truppe um den zweitgrößten NBA-Star Stephen Curry im Finale an Cleveland – und am größten Fisch im Teich: LeBron James. Nun haben sich die Nummer zwei und drei der Hackordnung zusammengetan, gemeinsam den Thron zu erobern.

Dabei war Durant für sich schon der vielleicht versierteste Punktesammler der Welt: Schon viermal führte er die Scorerliste der NBA an, wurde 2014 zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt und warf die USA zu Olympia-Gold. Im Trio mit den Warriors-Wunderwerfern Steph Curry und Klay Thompson fegt wohl bald ein Offensivtornado aus Oakland über die Liga. „Die werden 200 Punkte pro Spiel erzielen“, schwant nicht nur NBA-Profi Marcin Gortat. Viele Experten erwarten Golden State nun als dominierendes Team der kommenden Jahre. Aber es gibt auch Zweifel, wie sich Durant in eine ohnehin schon wurfstarke Truppe einfügen kann.

Den öden Ölstaat Oklahoma trifft es hart, das Gesicht seines jungen Teams zu verlieren

Doch die Aussicht, ein neues Superteam zu formen, war wohl zu verlockend für Durant. Eine Bündelung der Kräfte mit anderen Stars, das ist in Mode seit LeBron James’ „Decison“ und der Rückkehr nach Cleveland. Durant selbst schrieb in einem Online-Essay nur vom Ort „mit dem größten Potenzial für persönliches Wachstum“. Den öden Ölstaat Oklahoma trifft es hart, das Gesicht seines jungen Teams zu verlieren. Vor allem, weil der Vertrag des zweiten Stars Russell Westbrook in einem Jahr ausläuft. Eine ganze Region verliert an Perspektive. Wie schon nach James’ „Decision“ verbrennen wieder Fans die Trikots ihres einstigen Lieblings. Und auch die bisher beliebten Warriors werden wohl künftig zum landesweit ausgebuhten Feindbild.

Dabei hatte kaum jemand Kevin Durant soviel soziale Kälte zugetraut. Der gläubige Christ wurde schon mit dem Slogan „der netteste Kerl der NBA“ beworben, engagierte sich für soziale Projekte in der Region. Nun schrieb Durant, er musste mal „raus aus meiner Komfortzone“. Als ob die Mitgliedschaft in einem bewiesenen Meisterteam weniger komfortabel wäre...

Andere sind da treuer oder komfortfreudiger, je nach Sichtweise. Wie Dirk Nowitzki, dem zumindest leises Interesse der Warriors nachgesagt wurde. „Ich werde meine Karriere in Dallas beenden“, erklärte der 38-Jährige nun und kündigte eine baldige Vertragsverlängerung an. Die Mavericks profitieren übrigens von Durants „Decision“: Um Gehaltsspielraum für dessen 54-Millionen-Dollar-Vertrag zu schaffen, schickt Golden State die Leistungsträger Harrison Barnes und Andrew Bogut nach Dallas.

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