Kevin Kuranyi : Held der Arbeit

Kevin Kuranyi war bei Schalke lange ein Fremdling, jetzt steht er für die neuen Erfolge des Revierklubs.

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
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Siegen macht Spaß. Kevin Kuranyi ist angekommen in Schalke. Foto: dpadpa

Auch weit abseits der Perfektion ist im Fußball vieles möglich, wenn Kevin Kuranyi so zuverlässig trifft wie zuletzt. „Er macht seinen Job gut und die Tore besser denn je“, sagte Manuel Neuer, der Torhüter des FC Schalke 04. Nach Gerd Müller und Manfred Burgsmüller ist Kuranyi erst der dritte Bundesligaprofi, der in acht aufeinanderfolgenden Spielzeiten jeweils auf eine zweistellige Trefferzahl kam. Neuerdings kann er es sich sogar erlauben, gegen Absprachen zu verstoßen, ohne dass dem Kollektiv daraus ein Schaden entsteht. Beim 2:0 über Hoffenheim leistete Kuranyi mit dem Führungstreffer Anschubhilfe, erfüllte die Erwartung seines Trainers aber nur zur Hälfte.

Felix Magath, der dem Stürmer wieder auf die Sprünge geholfen hat, verwies auf eine angebliche Übereinkunft, die er mit Kuranyi getroffen habe. „Eigentlich hatten wir verabredet, dass Kevin zwei Tore schießt“, sagte der Trainer. Seine Stimme klang ernst dabei; die ironische Note erschloss sich allein aus dem Zusammenhang. Elf Tore in zwanzig Spielen – auf diese Bilanz blickt Kuranyi zum ersten Mal in seiner Karriere als Fußballprofi. Zuletzt traf er dreimal hintereinander.

Wie gut sich die Protagonisten beim Bundesligadritten verstehen, zeigte Kuranyis Replik auf Magaths vermeintliche Kritik. „Ja, es stimmt, ein Tor hat gefehlt, ich habe es mir für das nächste Spiel aufgehoben“, sagte der Angreifer und fügte hinzu, er hoffe, von Magath „nicht zu Torschusstraining mit Medizinbällen“ verdonnert zu werden. Schalke hat Spaß, und Schalke macht Spaß, auch ohne Spaßfußball. Bei den Schalkern artet das Kicken, passend zum Klischee, oft in harte Arbeit aus. Auch insofern passt Kuranyi zu dem Revierverein, bei dem er erst im fünften Jahr die Akzeptanz erlangt hat, die er sich von Anfang an gewünscht hatte. Der Stürmer selbst nennt seinen Grundsatz, „für die Mannschaft zu arbeiten“, als Hauptgrund für sein Hoch. „Dann kommen die Tore fast von allein.“

Warum es so lange gedauert hat, die Balance zwischen Arbeit, Spiel und Spaß herzustellen, vermag auch Kuranyi nicht zu erklären. Die Fans des FC Schalke haben ihn ins Herz geschlossen. „Schön, dass du noch da bist, Kevin“, stand auf einem Transparent – eine Anspielung auf Magaths Bereitschaft, Kuranyi zu verkaufen. Letztlich aber musste er akzeptieren, dass der Stürmer da bleiben wollte, wo er seinem Gefühl nach hingehört. In der Arena rufen sie seinen Namen sogar, wenn er das Tor knapp verfehlt. Und einige Anhänger forderten Bundestrainer Joachim Löw in dicken Lettern dazu auf, ihrem neuen Liebling eine zweite Chance in der Nationalmannschaft zu geben.

Noch vor einem Jahr hätte mancher dieser Demonstranten den Fremdling Kuranyi am liebsten vom Hof gejagt. Kuranyi scheint endgültig angekommen in Gelsenkirchen. Aber wie lange will er, wie lange darf er bleiben? Magath hält sich bedeckt und deutet an, der Klub könne sich einen Spitzenverdiener wie Kuranyi wohl nur im Falle einer Champions-League-Teilnahme weiterhin leisten. Der Stürmer sagt, seine berufliche Zukunft hänge nicht nur vom Geld ab, das Gesamtpaket müsse stimmen. Vielleicht wird er gehen, wenn es am schönsten ist für ihn auf Schalke.

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