Sport : Kevin Kuranyi

Wie der Nationalstürmer das Spiel in Berlin erlebte

Sven Goldmann

Ein Tor hat Kevin Kuranyi im WM-Jahr 2006 geschossen. Das war vor einer Woche beim 7:4 gegen Leverkusen, als jeder mal durfte und Bayers Torhüter Jörg Butt ein harmloses Fernschüsschen des Nationalspielers ins eigene Tor faustete. Kevin Kuranyi verbreitet in diesen Tagen wenig Angst und Schrecken im Strafraum (jedenfalls nicht in dem des Gegners, aber dazu später mehr).

Am Samstag betritt er als letzter Schalker den Rasen des Olympiastadions. Auch im Spiel hält er sich zurück. Kuranyi läuft viel und unkoordiniert, etwa in der sechsten Minute, als sein Angriffskollege Gerald Asamoah in den Strafraum eindringt. Kuranyi sprintet so zielsicher ins Abseits, dass Herthas Abwehrspieler einen Augenblick zweifeln, wen sie denn nun attackieren sollen. Asamoah läuft einfach weiter und trifft zum 1:0. Zufrieden trabt Kuranyi zurück in die Schalker Hälfte.

Dort hält er sich oft auf an diesem Nachmittag. Bei Berliner Eckbällen und Freistößen baut er sich im Strafraum auf. Dort ist Kuranyi gefragt, hauptsächlich wegen seiner 190 Zentimeter Körperlänge, weniger wegen seiner Kopfballstärke. Einmal verliert er sogar ein Duell gegen den einen Kopf kleineren Pal Dardai. Als er nach einem Freistoß von Lincoln unbedrängt zum Kopfball kommt, springt er viel zu spät ab und setzt den Ball gut zwei Meter über die Torlatte.

Auch am Boden müht Kuranyi sich oft vergeblich. Bei einem Konter spielt er einen für Zlatan Bajramovic gedachten Kurzpass unbedrängt in die Füße des Berliners Alexander Madlung und hat Glück, dass ihn Niko Kovac anschließend über den Haufen rennt und es einen Freistoß für Schalke gibt.

In der 33. Minute flankt Marcelinho hoch an den Schalker Fünfmeterraum, Torhüter Frank Rost will mit den Fäusten klären und prallt in der Luft mit Kuranyi zusammen. Über Sverkos und Madlung landet der Ball im Schalker Tor. Rost bleibt am Boden liegen, und Kuranyi verkrümelt sich unauffällig nach vorn, wo er an diesem Nachmittag weniger Schaden anrichtet. Immerhin: Vor dem Schalker 2:1 durch Bajramovic holt Kuranyi den einleitenden Freistoß heraus, kurz darauf ist er als erster Gratulant zur Stelle.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit stößt er noch einmal mit seinem Torhüter zusammen. Erinnerungen werden wach an Oliver Kahns schmerzhafte Begegnungen mit Samuel Kuffour, aber der war immerhin Abwehrspieler. Vom Stürmer Kuranyi ist weiter nicht viel zu sehen, aber hinten ist er auch kein gern gesehener Gast mehr. Also verlegt er den Schwerpunkt seines Wirkens in die Reichweite des Mittelkreises. Kuranyi hebt oft den Arm und wird selten angespielt. Als er eine Viertelstunde vor Schluss auf dem rechten Flügel das Berliner Tor anvisiert, drischt er den Ball hoch in Richtung Unterring, wo die Schalker Fans stehen.

Zehn Minuten vor Schluss wechseln die Schalker zum ersten Mal aus, und es trifft wohl nur deshalb nicht Kuranyi, weil sich sein Nebenmann Asamoah völlig verausgabt hat. Ein paar Minuten noch bewacht er die Mittellinie, dann löst ihn Sören Larsen ab. Kuranyi wirkt nicht unglücklich, als er sich zu den Kollegen auf die Bank setzt.

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