Sport : Kevin Kuranyi

Wie der Schalker das Spiel gegen Mainz erlebte

Richard Leipold

Am äußersten Ende der Nordkurve pflegen einige Schalke-Fans ein Transparent aufzuhängen, mit dem sie ihrem Lieblingsspieler Mut machen wollen. „Kevin, wir glauben an Dich“ steht auf dem weißen Laken geschrieben. Gerade diese Anhänger sind oft enttäuscht worden, weil ihr Favorit so selten getroffen hat (nur zweimal in elf Runden). Dieser trübe Novemberspieltag geht jedoch gleich gut los.

Bei seinem ersten Tor in der 13. Minute fallen zwei Dinge zusammen: katastrophale Mainzer Abwehrleistung und schöne Einzelarbeit des Schalker Stürmers. Anschließend will Kuranyi nicht alleine jubeln und auch nicht mit irgendwem. Er läuft Richtung Bank und drückt seine beiden Fäuste gegen die von Trainer Mirko Slomka. Der wirkt fast ein wenig verlegen ob dieser Solidaritätsadresse. Beim Sieg am Mittwoch in Mönchengladbach hatten Schalkes Spieler nach dem Führungstor noch einen Bogen um Slomka gemacht und stattdessen lieber mit dem ausgebooteten Torwart Rost gefeiert.

Zwanzig Minuten später köpft Kuranyi dann zum 3:0 ein. Die Kuranyi-Rufe sind da noch verhalten. Zwei Tore reichen dem Angreifer zunächst nicht, um die Mehrheit der Enttäuschten auf seine Seite zu ziehen. Gegen eine desolate Mainzer Abwehr setzt Kuranyi jedoch nach – auch dann noch, als die Partie längst zugunsten des FC Schalke entschieden ist. Das gefällt nicht nur der Glaubensgemeinschaft mit dem Spruchband.

In der 73. Minute bietet sich Kuranyi die Chance, sein drittes Tor zu erzielen. Als der 24 Jahre Stürmer im Strafraum vor Dimo Wache, dem Schlussmann der Mainzer, auftaucht, gerät er ins Stolpern, verliert das Gleichgewicht und prallt mit dem Oberkörper gegen den Pfosten; er muss außerhalb des Spielfeldes behandelt werden. Vor kurzem hätten manche Fans seinen gescheiterten Vollstreckungsversuch vermutlich noch mit Häme begleitet. Doch diesmal rufen die Menschen seinen Namen – so laut wie lange nicht.

Nach fast anderthalb Jahren mag es immer noch zu früh sein zu behaupten, dass Kuranyi in Schalke angekommen ist. Aber er hat zumindest den richtigen Weg eingeschlagen. Mancher hätte gern gewusst, wie er das gemacht hat nach all den Irrungen in Wirrungen der vergangenen Wochen und Monate. Kuranyi hätte viel zu erzählen gehabt. Aber er lässt seinen Taten keine Worte folgen, sondern die Tore für sich sprechen. Wie seine Mitstreiter in Königsblau hält er sich an das Schweigegelübde der Mannschaft.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben