Von Patrick Ebert zu Nelson Mandela

Seite 7 von 7
Kevin-Prince Boateng im Interview : „Ich habe keine Angst“
von

Wie gut ist Ihr Kontakt zur alten Berliner Clique, zu Patrick Ebert, Ashkan Dejagah, Sejad Salihovic, Chinedu Ede?

Wir haben lose Kontakt, manchmal sehen wir uns zwei Jahre nicht, aber wenn, ist es immer sehr lustig. Mit Dejagah und Salihovic war ich früher jeden Tag zusammen, diese Verbindungen bleiben, wir haben eine ähnliche Art zu denken.

Sind Sie jemand, der Freundschaften pflegt?

Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand wirklich Interesse an mir hat, bekommt er das auch zurück. Aber wie Sie sich vorstellen können, ist dieses Vertrauen auch oft ausgenutzt worden – und wenn ich das merke, kann ich Verbindungen auch radikal abbrechen.

Warum schafft es ein Ausnahmetalent wie Patrick Ebert nicht mehr, sich bei Hertha BSC durchzusetzen? Vielleicht fehlt ihm der letzte Wille, wie ein Profi zu leben und sich weiterzuentwickeln?

Man ist kein Profi, wenn es einem reicht, ein schickes Auto zu fahren und von zehn Spielen zwei gute zu machen. Früher war ich da auch nachlässiger, aber heute weiß ich: Ein Profi ist nur, wer von zehn Spielen neun sehr gute und eins macht, das okay ist.

Auf Twitter haben Sie vor kurzem Nelson Mandela zum Geburtstag gratuliert. Täuscht der Eindruck oder interessieren Sie sich neuerdings stärker für die afrikanische Kultur?

Ich gebe zu, dass ich vor der Entscheidung, für Ghana zu spielen, nur sehr wenig Interesse für den Kontinent aufgebracht habe. Mein Vater hat mir seine Herkunft leider nur wenig nahegebracht, deshalb musste ich es mir selbst erarbeiten.

Was fasziniert Sie an Mandela?

Ich hatte das Glück, Mandela kennenzulernen. Mich hat die Ruhe und Gelassenheit fasziniert, mit der er auf sein hartes Schicksal blickt. Ich wüsste nicht, wieviel Wut in mir stecken würde, wenn ich solange wie er im Gefängnis gewesen wäre. Aber als ich den Raum betrat und er – dieser kleine Mann mit den weißen Haaren – dort saß, ging von ihm eine enorme, friedvolle Ausstrahlung aus.

Nun haben Sie entschieden, nach nur neun Länderspielen für Ghana Ihre Nationalmannschaftskarriere zu beenden.

Ich musste eine Entscheidung für meine Karriere treffen. Es ist enormer Stress, jeden Tag beim AC Mailand Höchstleistungen zu bringen. Sie haben es gesagt: Ich stehe hier in Italien unter extremer Beobachtung. Die viele Reiserei mit Ghana war auch nicht gut für meine Fitness. Ich arbeite jeden Tag mit meinem Personaltrainer, habe jeden Tag mein Programm im Milan Lab. Das ließ sich einfach auf Dauer nicht vereinbaren.

Ist da das letzte Wort schon gesprochen?

Das ist Stand August 2012. Was in der Zukunft ist, kann ich nicht sagen.

Wie war das Feedback aus Ghana?

Halb, halb. Viele haben verstanden, dass der Stress für mich enorm war. Aber es ist doch auch nachvollziehbar, dass einige nicht glücklich darüber waren.

Kevin Prince Boateng, wir müssen langsam zum Schluss kommen…

Wir haben doch alles besprochen. Sie können es ruhig schreiben: Ja, ich bin der beste Fußballer der Welt. (lacht)

Quelle: www.11freunde.de

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

16 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben