Sport : Kiefer behält die Nerven

Nach Fünfsatzsieg in Paris nun gegen Berdych

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Paris - Es war ein spektakuläres Tennismatch, für das Nicolas Kiefer am Mittwoch auf einem Nebenplatz in Roland Garros mitverantwortlich war. Erst nach knapp fünf Stunden Spielzeit konnte der Tennisprofi aus Hannover im fünften Satz einen Matchball zum 6:0, 6:1, 5:7, 3:6, 11:9-Erfolg gegen den Franzosen Marc Gicquel nutzen. Fünf Matchbälle hatte Kiefer zuvor vergeben, nach der Entscheidung riss er sich vor Freude das dreckige Hemd vom Leib und warf es ins Publikum. „Nach so einem Spiel muss doch alles raus“, sagte Kiefer dazu. Doch so nervenaufreibend der Erfolg auch zustande kam, er hatte einen Schönheitsfehler: Das Match gegen Gicquel war nur ein Spiel der zweiten Runde bei den French Open. Bereits am Freitag geht es für den Hannoveraner weiter, in der dritten Runde trifft er auf Tomas Berdych.

Der tschechische Shootingstar ist so etwas wie ein Angstgegner für den deutschen Tennisprofi. Zweimal spielte Kiefer gegen den 20-jährigen Thomas Berdych, zweimal ging er als Verlierer vom Platz – zuletzt unterlag er dem Tschechen vor wenigen Tagen beim World Team Cup in Düsseldorf.

„Das wird ein sehr schweres Match. Aber das Turnier hat gerade erst begonnen. Körperlich bin ich topfit, nach einem Tag Erholung bin ich bereit für ihn“, sagte der Hannoveraner am späten Mittwochabend, nachdem er bei seiner zehnten Teilnahme bei dem Grand-Slam-Turnier in Paris zum zweiten Mal die dritte Runde erreicht hatte. „Gicquel – so nah an der Heldentat, ehe er sich doch beugen musste“, schrieb die Sportzeitung „L’Équipe“ am Tag danach.

Nachdem Nicolas Kiefer gegen den mit einer Wildcard gestarteten Franzosen seinen sechsten Matchball verwandelt hatte, war er mit einem lauten Aufschrei der Erleichterung und blutigen Knien und Ellbogen auf den roten Sand von Roland Garros gesunken. „Es war eine unheimliche Achterbahnfahrt. Das hat richtig Nerven gekostet“, sagte Kiefer. In den ersten beiden Sätzen hatte er klar dominiert. Doch dann zog plötzlich Regen auf über Paris. Dreimal mussten die Spieler die Kabinen aufsuchen und anschließend wieder ihren Rhythmus finden. Kiefer gelang das erst wieder, als es in den fünften Satz ging und sich die beiden Profis ein hochklassiges und turbulentes Duell lieferten. Zuvor hatte der 28-Jährige geflucht, sich mit dem Publikum angelegt, über einen Linienrichter geschimpft, wofür er gestern vom Weltverband ITF eine Strafe von 1500 Dollar auferlegt bekam. Doch dann fing sich der an Nummer 13 gesetzte Kiefer wieder. „Es war eine Nervenprobe, wie ich sie selten im Tennis erlebt habe“, sagte Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen.

Etwas weniger spektakulär als der Mittwochabend für Nicolas Kiefer fiel gestern der Auftritt von Dieter Kindlmann aus. Zwei Tage vor seinem 24. Geburtstag verlor der Münchner gegen den Spanier Alberto Martin 3:6, 3:6, 3:6. Auch Philipp Kohlschreiber, Florian Mayer, Björn Phau und Rainer Schüttler waren bei dem Grand-Slam-Turnier in Paris frühzeitig gescheitert.

Am Donnerstag standen sich noch Thomas Haas und Alexander Waske in einem deutschen Duell gegenüber (bei Redaktionsschluss war das Spiel noch nicht beendet). dpa

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