Sport : Kiel schlägt Flensburg und ist wieder vorn

Erik Eggers

Kiel - 90 Sekunden vor der Schlusssirene packt viele der 10 250 Zuschauer noch einmal das Entsetzen. Der Gastgeber THW Kiel hat den Ball verloren, und nun läuft der Konter durch die SG Flensburg-Handewitt. Doch dann antizipiert der aufmerksame Christian Zeitz den Pass, stiehlt sich den Ball und drischt ihn mit unglaublicher Wucht ins Tor – und nun tobt das fanatische Publikum in der ausverkauften Ostseehalle. Dieses 36:32 ist das Siegel auf den Kieler Heimsieg gegen den großen Rivalen. Die beiden Anschlusstreffer zum 36:34 (17:15) haben nur noch statistischen Wert: Der Rekordmeister erobert sich damit die Tabellenführung zurück, die er nach „dieser sportlichen Katastrophe“ (THW Trainer Noka Serdarusics) vor drei Tagen in Magdeburg, als Kiel mit 24:39 untergegangen war, an die Flensburger verloren hatte.

„Das war ein verdienter Sieg für Kiel, Torwart Omeyer war in Weltklasseform“, erkannte SG-Coach Trainer Viggo Sigurdsson die Leistung des Gastgebers an. „Wir haben heute etwas das Tempo gebremst und haben klüger gespielt als in Magdeburg“, freute sich Kiels Kreisläufer Marcus Ahlm, mit zehn Toren der erfolgreichste Schütze.

Eine dichte Atmosphäre erwartete die Profis zum Derby, nirgendwo sind die Fans enthusiastischer, lauter und fachkundiger als im Norden der Republik. Die Akteure auf dem Feld bewegten sich zwar nicht immer auf allerhöchstem Niveau – dafür ist ihnen in der langen Hinrunde schon zu viel Substanz verloren gegangen. Nicht zufällig waren die beiden Torleute Thierry Omeyer (Kiel) und Jan Holpert (Flensburg) in der ersten Halbzeit die auffälligsten Spieler; beide parierten je neun Bälle aus teilweise allernächster Distanz. Doch auch die Feldspieler zeigten manchmal ihr überragendes Können. Als SG-Linksaußen Lars Christiansen in Unterzahl zum 7:8 (15. Minute) verkürzte, indem er fast von der Außenlinie einen Trickwurf ins lange Eck drehte, bewunderten auch Kiels Fans die Aktion; mit elf Toren war der dänische Nationalspieler bester Werfer seines Teams. Auch die wuchtigen Sprungwürfe des Kieler Linkshänders Kim Andersson beeindruckten. Der Kapitän der schwedischen Nationalmannschaft war mit acht Treffern Kiels zweiter Schlüsselspieler.

Grundsätzlich aber zeigte Kiel eine Spur mehr Aggressivität, was sich auch in einer Serie Flensburger Siebenmeter niederschlug. Die ersten harten Fouls der Kieler, die zunächst übermotiviert schienen, ahndete das Schiedsrichterduo Lemme/Ullrich mit Zeitstrafen, die das Spiel beruhigten. Nur einmal, beim 3:2 (4.), führte der Vizemeister – dann übernahm Kiel das Kommando. Auch die Flensburger Aufholjagd, die nach dem 22:27 (42.) mit dem 27:28 (48.) belohnt wurde, machte den Meister nicht nervös.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben