Sport : Kiel vor dem Bruch

THW-Handballer bangen um die letzte Titelchance

Niels Surburg
Festhalten bitte. Welthandballer Filip Jicha vom THW Kiel (vorn) kann sich seltener durchsetzen als früher. Foto: dpa Foto: dpa
Festhalten bitte. Welthandballer Filip Jicha vom THW Kiel (vorn) kann sich seltener durchsetzen als früher. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Filip Jicha schlich mit gesenktem Kopf vom Spielfeld, während die Spanier in Kiel lautstark feierten. Der FC Barcelona hatte Vorjahressieger THW Kiel aus der Champions League geworfen. Der amtierende Welthandballer hat in den letzten vier Jahren neun Titel mit dem THW gewonnen – nun könnte er ein neues Gefühl kennenlernen: ein Jahr ohne Ertrag. Nach dem Champions-League-Aus und der Niederlage gegen Magdeburg in der Bundesliga kann der Rekordsieger heute beim Final-Four-Turnier in Hamburg nur mit einem Sieg gegen Göppingen (13.15 Uhr, live bei Sport1) und dem damit verbundenen Einzug ins Pokal-Endspiel am Sonntag die erste titellose Saison seit 2003 noch verhindern.

„Wir sind angeknockt“, sagt THW-Manager Ulrich Derad. „Mit dieser Mannschaft muss man um einen Titel spielen.“ Bisher lief die Saison für den Handball-Rekordmeister enttäuschend, denn der HSV Hamburg ist an der Bundesligaspitze entrückt. „Wir brauchen Charakter und Kampf, um die Saison noch gut zu beenden“, meint Derad.

Langwierige Verletzungen der Stammspieler Andersson, Narcisse, Ahlm und Zeitz hatten zuletzt einen Umbruch mit sich gebracht: Derad holte in Fernandez und Arrhenius zwei Profis aus Spanien. Doch die Mannschaft konnte sich nicht daran gewöhnen, dass Trainer Alfred Gislason immer wieder ein anderes Team aufs Feld schickte. „Jetzt muss die Mannschaft damit umgehen, nicht ganz vorne mit dabei zu sein“, sagt Derad. Eine andere Möglichkeit zum Umsteuern bleibt auch nicht.

Für die kommende Spielzeit wird es in Kiel kaum Veränderungen geben, die Stammspieler haben zum Großteil langfristige Verträge. Den Vorwürfen, die Mannschaft sei zu satt, widerspricht Derad: „Ich denke nicht, dass die Mannschaft ihren Zenit erreicht hat.“ Nächstes Jahr will der derzeitige Tabellenzweite der Liga wieder angreifen, insbesondere gegen die Handballer vom HSV, die am Mittwoch die Meisterschaft perfekt machen können. Vom Ende der Kieler Epoche will Derad nichts wissen. „Wir haben in den letzten Jahren gezeigt, wer wo steht. Nächste Saison werden wir wieder munter angreifen“, sagt der Manager.

Bei einem Sieg heute trifft der THW Kiel vermutlich auf die Rhein-Neckar Löwen, die im zweiten Halbfinale als Favorit gegen die SG Flensburg-Handewitt gelten. Es ist für Kiel die letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison, doch das wird alles andere als einfach. Denn inzwischen hat selbst Welthandballer Filip Jicha erkennen müssen, dass man in Kiel nicht immer nur gewinnt.

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