Sport : Kieler Woche: Selbst ist die Frau

Hartmut Moheit

Die Frage, wer Ingemar Strömblad sei, bleibt unbeantwortet. "Wisst ihr das", sagt Nadine Stegenwalner zu Anne Koschinsky und Nina Grunow. Die beiden schütteln nur mit den Köpfen. Aber die drei Berlinerinnen verdienen mildernde Umstände dafür, dass sie den Präsidenten des Internationalen Yngling-Verbandes aus Schweden noch nicht kennen. "Im März haben wir erstmals in Kiel in einem Boot dieser Klasse gesessen", erklärt die 26-jährige Nadine Stegenwalner. "Die neue olympische Segeldisziplin ist allgemein noch ziemlich unbekannt." Kein Wunder, dass sie deshalb vor der heute beginnenden 107. Kieler Woche viele Fragen beantworten musste. "Wir sind wie Exoten auf dem Sattelplatz. Viele kommen und wollen unbedingt unser Boot sehen", erzählt sie. "So im Mittelpunkt zu stehen, das waren wir bislang nicht gewohnt."

Verdient hätte das Nadine Stegenwalner und ihre Crew schon längst. In der Match-Race-Szene zählte das Trio seit 1996 zur Weltspitze. Nur, über Insiderkreise hinaus wurde dies kaum bekannt. Der Umschwung kam für sie, als der Soling, die Klasse des deutschen Ausnahmeathleten Jochen Schümann, aus dem olympischen Programm gestrichen und dafür das Drei-Frauen-Boot Yngling aufgenommen wurde. "Damit haben sogar noch wir älteren Seglerinnen eine olympische Chance bekommen", sagt Nadine Stegenwalner mit leichter Ironie. Der Verein Seglerhaus am Wannsee, seit 1908 Mitorganisator der Kieler Woche, unterstützt das Ziel Athen 2004 jedenfalls mit großem Aufwand. Sowohl die "Luna" der Stegenwalner-Crew als auch die "Drei Engel für Charlie" von Ulrike Schümann und ihren zwei Vorschoterinnen, gehören dem Verein. Es sind keine neuen Boote ("Stegenwalner: "Bis Athen wird sich noch sehr viel Neues entwickeln"), sondern im Falle der "Luna" ein 29 Jahre altes Schiff aus Dänemark. Mit diesem wurde das Trio - Nina Grunow gehört dem Berliner Yacht Club an - in diesem Jahr auf dem Gardasee Europameister. Allein schon die Tatsache, dass so etwas mit einem "Nostalgieboot" möglich ist, im Vergleich zu den sündhaft teuren Soling-Yachten, spricht für die Aufwertung der Yngling-Klasse.

Ohne handwerkliche Fähigkeiten wäre jedoch kein Blumentopf zu gewinnen gewesen. "Wir haben vor jeder Regatta mit Bruch zu kämpfen", sagt Nadine Stegenwalner. "Wäre dem nicht so, dann würden wir bestimmt nervös werden. Wir sind schon darauf geeicht, jedes Knacken, Quietschen oder andere Geräusche zu hören. Der Vorteil ist, dass wir dann bis zu den Wettfahrten alles beseitigen können." So konnte die Antwort auf die Frage am Telefon, was die drei Berlinerinnen gerade in Kiel machen würden, nur lauten: "Wir bauen an unserem Boot." 2004 wird die "Luna" im olympischen Wasser aber nicht mehr im Einsatz sein. In die Schützlinge von Starboot-As Christian Rasmussen, nach heutigem Stand eine große Medaillenhoffnung, wird der Deutsche Segler-Verband einiges investieren.

"Vorausgesetzt es klappt mit der Qualifikation", sagt Nadine Stegenwalner, die dafür einen harten Kampf gegen ihre Vereinskameradin Ulrike Schümann erwartet. "Im Moment helfen wir uns aber noch gegenseitig." Bei der Kieler Woche 2001 steht das Lernen noch an erster Stelle. Auch Ingemar Strömblad wird an der Förde sein.

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