Sport : Kießling macht den Unterschied

Bayers Stürmer will in der Champions League internationale Klasse beweisen.

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Im Zentrum. Vor allem dank Stefan Kießling gewann Leverkusen gegen Wolfsburg. Foto: dpa
Im Zentrum. Vor allem dank Stefan Kießling gewann Leverkusen gegen Wolfsburg. Foto: dpaFoto: dpa

Leverkusen - Eigentlich wollte Stefan Kießling noch ein wenig Leverkusens Sieg über Wolfsburg, inklusive seiner beiden Tore, auskosten und sich sonst um das aufblühende Veilchen unter seinem linken Auge kümmern. Doch dann kam die Sprache auf Manchester United, wo Bayer am Dienstag in die Champions League startet. Also nahm Kießling Haltung an und sagte pflichtschuldig: „Das ist ein Riesenereignis für uns, wir freuen uns drauf.“

Vorfreude allein genügt dem siegeshungrigen Stürmer jedoch nicht, und so schaltete Kießling beim Gedanken an den Englischen Meister rasch vom Bewunderungs- auf den Angriffsmodus um. „Trotzdem fahren wir dahin, um …“ Bevor er weiter sprach, bremste sich der 29-Jährige lieber ein, träumte nicht laut von einem Sieg in Old Trafford, sondern vollendete den Satz diplomatisch: „… um zu schauen, was wir da reißen können.“

Schließlich hatte er beim 3:1 gegen Wolfsburg erlebt, wie ungeduldig und fahrig die Leverkusener in der ersten Hälfte gespielt und mit welcher Laissez-faire- Haltung sie nach ihrer Führung durch Sidney Sam den Gegner zum Ausgleich durch Ivica Olic eingeladen hatten. Erst nach der Pause fanden die Gastgeber ihre Spannung wieder – und das lag vor allem an: Stefan Kießling.

Gleich nach Wiederbeginn versorgte er den Offensivkollegen Heung Min Son mit einem derart kunstvollen Zuspiel, dass der Koreaner gar nicht mehr neben das Tor schießen konnte. Son schaffte es dennoch, ebenso wie kurz darauf Sam und Außenverteidiger Sebastian Boenisch. Also nahm Kießling die Dinge mal wieder selbst in die Hand: erst mit einem Torpedo-Kopfball, bei dem er sich im Luftduell mit Wolfsburgs Robin Knoche das blaue Auge holte; und dann in der Schlussminute, als er aus halbrechter Position einen Schuss abgab, der wie am Faden gezogen an Wolfsburgs Torhüter Diego Benaglio vorbei ins Toreck rauschte.

„Wir wissen, dass wir uns hundertprozentig auf ihn verlassen können“, sagte Bayers Kapitän Simon Rolfes nach Kießlings Saisontreffern drei und vier. Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking haderte zwar mit dem zweiten Platzverweis für den Brasilianer Luiz Gustavo in seinem dritten Spiel für den VfL, musste aber auch zugeben: „Es war eine verdiente Niederlage.“

Das war es vor allem wegen Stefan Kießling. Das vorentscheidende 2:1 sei in erster Linie dessen Qualität und Wucht beim Kopfballspiel zu verdanken und weniger ein Problem der VfL-Defensive gewesen, urteilte Hecking. Das wusste auch sein Leverkusener Kollege Sami Hyypiä, der Kießling nach der Partie dankbar an seine Brust drückte.

Der blonde Torjäger überstand die innige Attacke ohne weitere Blessuren. So kann er sich nun darauf konzentrieren, den Bundestrainer mit einem weiteren starken Auftritt gegen Manchester United und damit ein bis zwei Qualitätsstufen höher, eines Besseren zu belehren. Hatte Joachim Löw seinen konsequenten Verzicht auf den Leverkusener im März doch mit dem unmissverständlichen Hinweis begründet, dass Kießling für Bayer natürlich ein wertvoller Spieler sei, dass „die Luft international aber dünner“ werde.

Stefan Kießling wird Löws klare Ansage im Hinterkopf haben, wenn er den Rasen in Manchester betritt. Seine Einstellung klang jedenfalls schon mal gut: „Der Sonntag wird ganz ruhig, Montag ist Abschlusstraining im Stadion.“ Und fügte lächelnd hinzu: „Alles easy.“Andreas Morbach

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