Kim Clijsters : Die Sehnsucht gestillt

Kim Clijsters gewinnt zum ersten Mal die Australian Open in ihrer letzten kompletten Saison. "Umso mehr bedeutet mir der Titel nun, denn ich werde vielleicht nicht mehr oft herkommen", sagt die Belgierin.

Petra Philippsen
Grüner Gruß. Kim Clijsters bedankt sich modisch bei den australischen Fans.
Grüner Gruß. Kim Clijsters bedankt sich modisch bei den australischen Fans.Foto: dpa

Die Tränen flossen in Strömen. Li Na vergrub ihr Gesicht im Handtuch und trauerte um die vergebene Chance, als erste Chinesin einen Grand Slam zu gewinnen. Sie war so dicht dran gewesen. Auf der anderen Seite trocknete sich Kim Clijsters mit dem Handtuch ihre Freudentränen. Lange hatte sie darauf warten müssen, einmal bei den Australian Open zu triumphieren. An jenem Ort, dem sie sich so besonders verbunden fühlt. Und einzig die Sehnsucht nach diesem Titel hatte Clijsters nach der Geburt ihrer Tochter Jada die Motivation für die schwere Arbeit verliehen, die sie vor ihrem Comeback leisten musste. Nun war die 28 Jahre alte Belgierin am Ziel. Und der Moment überwältigte sie. Denn sie wusste, dass es vielleicht der letzte große Titel ihrer Karriere gewesen ist.

„Das ist meine letzte Saison, die ich komplett spielen werde“, hatte Clijsters vor ihrem 3:6, 6:3 und 6:3-Sieg angekündigt, „danach werden wir sehen. Umso mehr bedeutet mir der Titel nun, denn ich werde vielleicht nicht mehr oft herkommen.“ Die Olympischen Spiele in London 2012 hatte sie nach ihrer Rückkehr auf die Tour vor zwei Jahren als Ziellinie anvisiert. Danach wird Jada eingeschult. Die Prioritäten haben sich bei Clijsters inzwischen verschoben, und vielleicht liegt darin auch ein Grund, warum ihre „zweite Karriere“ mit dem nun dritten ihrer vier Grand-Slam-Titel noch erfolgreicher verläuft. Sie setzt sich nicht mehr so unter Druck, weil es mittlerweile Wichtigeres für sie gibt als Siege auf einem Tennisplatz. Doch diesen Sieg in Melbourne, den wollte Clijsters unbedingt. Ihre größere Erfahrung gegen die Debütantin machte am Ende im Nervenspiel den Unterschied.

Vor sieben Jahren war Clijsters Justine Henin hier noch unterlegen gewesen. Damals ging gerade die Verlobung mit ihrem australischen Spielerkollegen Lleyton Hewitt in die Brüche, und die Fans fühlten mit ihr. Clijsters dankte ihnen nun symbolisch für die treue Zuneigung. Sie trug eine grüne Kopie des Kleides, mit dem die Australierin Evonne Cawley Goolagong 1980 in Wimbledon gewann – ebenfalls als Mutter. „Das passte einfach“, sagte Clijsters und fügte in ihrer Dankesrede hinzu: „Ihr habt mich ja schon immer ,Aussie Kim‘ genannt. Jetzt habt ihr wirklich einen Grund dazu.“

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