KIMI RÄIKKÖNEN : Schnell, still und eiskalt

Karin Sturm

Wenn es jemanden gibt, dem das ganze Drumherum der Formel 1 und vor allem die Politik, die im Duell zwischen Lewis Hamilton und Fernando Alonso eine so große Rolle spielt, völlig egal ist – dann ist das Kimi Räikkönen. Auch von zwischenmenschlichen Kontakten scheint der Finne relativ wenig zu halten. Ein Schulterklopfen, eine Bestätigung durch sein Team und seine Ingenieure, eine gewisse Wärme und Wertschätzung, die ihm entgegengebracht werden – das alles braucht Räikkönen offensichtlich nicht. So lange man ihm ein halbwegs schnelles und zuverlässiges Auto hinstellt, mit dem er seine enorme Geschwindigkeit fahren und gewinnen kann und ihn ansonsten weitgehend in Ruhe lässt, dann ist der „Iceman“, wie Ron Dennis ihn in seiner McLaren-Zeit getauft hat, schon zufrieden.

So registrierte Räikkönen auch weitgehend teilnahmslos die Diskussionen darüber, ob er als Nachfolger der Ferrari-Legende Michael Schumacher überhaupt tauglich sei. Ähnlich cool blieb er, als er zu Saisonbeginn vor allem mit den ungewohnten Bridgestone-Reifen etwas mehr Schwierigkeiten hatte als erwartet, und es zeitweise so aussah, als würde ihm sein Teamkollege Felipe Massa intern sogar den Rang ablaufen. Stoisch zog Räikkönen weiter einfach seine Linie durch. Als er nach seinem Ausfall wegen eines Defekts in Barcelona vorzeitig die Strecke verlassen musste, schwänzte er die seit Schumachers Zeiten beinahe heilige Nachbesprechung im Team, um rechtzeitig zur Übertragung des WM-Finales im Eishockey zwischen Kanada und seiner Heimat Finnland zu Hause zu sein.

Lange Sitzungen mit dem Team und technische Detailarbeit sind sowieso seine Sache nicht, da geht er lieber mit ein paar Kumpels aus Finnland auf die Piste, ob sportlich zum Eishockeyspielen, Snowboarden oder Radfahren – oder auch mal anders, in bester finnisch-feucht-fröhlicher Manier. Dabei kann er auch ohne den letzten Aspekt in der richtigen Umgebung von ganz allein auftauen. Wenn alles stimmt, ist der 28-Jährige ganz locker und ganz anders, als man ihn von seinen maulfaulen Auftritten rund um die Rennstrecken kennt. Dort spricht er eben lieber über seinen Gasfuß, und das mit Erfolg. Immerhin hat er als einziger in diesem Jahr bereits fünf Siege auf seinem Konto, gegenüber je vier von Hamilton und Alonso. Auch dass er im Titelkampf nur Außenseiter ist und nur durch äußerst günstige Konstellationen Weltmeister werden kann, lässt er wie gewohnt an sich abprallen: „Ich möchte gar nicht zu viel im Cockpit rechnen.“ Er will „einfach nur das Rennen gewinnen – und dann werden wir weitersehen“. Karin Sturm

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