Sport : Kinderkrebshilfe: Mehr als 100 Olympiateilnehmer haben eine CD aufgenommen

Frank Bachner

Morgen wird Dieter Thomas Heck Werbung machen für ihn, im ZDF, zur besten Sendezeit, im "Showpalast". Na ja, Heck macht eigentlich nicht direkt für ihn, für die Person Charles Friedeck oder den Dreispringer Friedeck. Heck macht Werbung für Friedecks Herzensangelegenheit: die Kinderkrebshilfe. Mehr als 100 Olympiateilnehmer haben eine CD aufgenommen. Die kommt am Montag auf den Markt, morgen wird der Song erstmals gespielt, und ein Teil des Erlöses bekommt die Kinderkrebshilfe. Friedecks Manager hatte die Idee zu dem Projekt, Friedeck schrieb die Texte und hofft "auf einen sechsstelligen Betrag".

Friedeck hat schon alles mögliche gemacht für die Kinderkrebshilfe; unter anderem ist er auf Marktplätzen gesprungen. 55 000 Mark kamen so zusammen, aber der 29-Jährige will mehr mit weniger Aufwand. Deshalb die CD.

Aber er will auch für sich mehr, und eine Zeitlang hat er gedacht, dass das eigentlich ziemlich einfach sein müsste. 1999 wurde er Dreisprung-Weltmeister, und anschließend sagten ihm viele Leute, "dass der WM-Titel ein Freifahrtschein fürs große Geld ist". Dass "das falsch ist", weiß er nach monatelangem Suchen nach einem Sponsor, nach einem Zerwürfnis mit seinem Manager und diesen ganzen "Hinweisen": WM-Titel? Na und. Warte doch mal ab, was bei Olympia heraus kommt. Friedeck jammert nicht wirklich, er kassiert jetzt schließlich mehr Gage, aber er ist enttäuscht. "Ich habe keinen zusätzlichen Sponsor. Es kam nichts Neues hinzu".

Finanziell nichts Neues, genau gesagt. Es kam natürlich etwas Neues dazu. Die Erwartungshaltung, die Forderung der Medien und Fans, die fast schon arrogante Starren auf den Olympiasieg. "Na, Gold in Sydney, was?", sagte ihm ein Autogrammjäger beim Istaf. Es sollte Kumpelhaft klingen, aber Friedeck sieht nur die Erwartungshaltung, die darin steckt. Damit kann er nicht richtig umgehen. Genau gesagt verstärkt sie sein Problem. Friedeck hat schon genug mit seiner Launenhaftigkeit zu tun. "Ich schaffe es nicht", sagt er, "weniger sprunghaft zu sein." Als er bei den Deutschen Meisterschaften 17,50 m sprang, aber minimal übertrat, reagierte er wie ein beleidigtes Kind. Er hatte keine Lust mehr, sprang bei den nächsten Meetings im 16-m-Bereich, so abgeschlagen, dass ihn plötzlich Selbstzweifel plagten. Also riss er sich zusammen und landete in Zürich bei 17,31 m. Dieses Auf und Ab ist schon Belastung genug, für ihn und für seinen Trainer. Doch jetzt kommt noch der Druck von außen dazu. 1999 hatte es trotz seiner Launenhaftigkeit zum Titel gereicht. "Aber da", sagt Friedeck, "war ich Außenseiter, das war ein Vorteil." 2000 ist er immer noch launenhaft. "Aber der Vorteil", sagt Friedeck, "ist weg."

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