Sport : Kinowelt kauft Leipzig: Kölmel baut und vermarktet das neue Zentralstadion

Peer Vorderwülbecke

Michael Kölmel ist der allmächtige Pate in Leipzigs Fußball-Welt. Der Medienunternehmer (Kinowelt) wird das neue Leipziger Zentralstadion bauen und vermarkten. Auch sportlich ist alles geregelt: Der FC Sachsen Leipzig gehört bereits zu Kölmels Imperium, der mittlerweile viertklassige Lokalrivale VfB soll nun auch noch einverleibt werden. Die Verträge mit Kölmel sind vom Aufsichtsrat abgesegnet, die offizielle Unterschrift gilt als Formsache. Damit buhlen mittlerweile zwölf Vereine um die Gunst des Fußball-Spekulanten.

"Wir werden nicht darunter leiden", sagt Sachsens Präsident Thomas Till. Im Gegenteil: Durch die hohen Investitionen für das neue Zentralstadion hofft Till, "dass sich das Interesse der Kinowelt auf Leipzig konzentriert". Trotz der versprochenen Multifunktionalität der Arena ist klar: Das ehemals größte deutsche Stadion wird zu einem reinen Fußball-Stadion für 45 000 Zuschauer umgebaut. In der letzten Saison hatte der FC Sachsen 4000 Fans im Durchschnitt, der abgestiegene Ex-Bundesligist VfB kam auf knapp 3500. Wenn jedoch der Fußball in der Messestadt nicht bald zu einem Höhenflug ansetzt, könnte die Stadionvermarktung zu einem finanziellen Desaster für Kölmel werden.

Obwohl für das hochmoderne Stadion keine angemessene Mannschaft in Sicht ist, war das Interesse an dem 240-Millionen-Mark-Projekt groß. Zuletzt bewarb sich der Architekt und Bauunternehmer Josef Wund. Mit reichlich Ellenbogeneinsatz hatte er sich bereits den viel kritisierten deutschen Pavillon auf der Expo gesichert. Er präsentierte eine Stadion-Konstruktion, die der Golden Gate Bridge glich: An einem 160 Meter hohen Turm sollten Streben ein verschließbares Dach halten. Himmelsharfe nannte er dieses Projekt, und die Hoffnung auf ein architektonisches Wahrzeichen versetzte einige Leipziger Stadträte in Verzückung.

Letztlich erhielt Kölmel den Zuschlag, weil er auf sein langfristiges Konzept verweisen konnte. Fußball ist für den promovierten Volkswirt Business, den Ruf des sentimentalen Fußball-Freunds hat er abgelegt. Als die Kinowelt versuchte, die Bundesliga-Fernsehrechte zu ersteigern, offenbarte sich erstmals die Weitsicht, mit der Kölmel die Fußballvermarktung betreibt. Den missglückten Versuch, ins große Fußballgeschäft einzusteigen, kommentierte die "Süddeutsche Zeitung" süffisant: "Wahrscheinlich wird Kölmel noch des öfteren den zweiten Platz belegen." In Leipzig hat er den ersten Platz belegt.

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