Sport : Kirch-Gruppe: Verunsicherte Kicker

Frank Bachner

Angela Häßler hält sich mit Kleinkram nicht auf. Schließlich ist Profi-Fußball ein hartes Geschäft. Und weil ihr Ex-Gatte Thomas, Regisseur des TSV 1860 München, mit seinem Klub um einen neuen Vertrag pokert, soll die Managerin Häßler gesagt haben: "Wir verzichten auf nichts. Soll doch der Verein ein paar Angestellte rauswerfen." Häßler erhielt seinen Vertrag, und vermutlich kam der Regisseur auf seine Kosten. Heute müsste Angelika Häßler erheblich bescheidener auftreten. Der Kirch-Konzern, über das Fernsehgeld eine Art Hauptsponsor aller Klubs im Profifußball, steht vor der Pleite. Jetzt sollen zwar der Australier Rupert Murdoch und der Italiener Silvio Berlusconi ihre Beteiligungen ausbauen. Nur: Wieviel Geld wird in Zukunft noch an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) fließen? Rund 375 Millionen Euro kassiert die DFL laut Vertrag bis 2004 jährlich, aber auch Murdoch und Berlusconi müssen sparen.

Und weil keiner weiß, wie viel Geld in Zukunft fließt, klingen die Töne beim TSV 1860 München jetzt ganz anders. Und nicht nur dort. "Überall sagt man, wir wissen nicht genau, mit welchem Budget wir planen können, wir können im Moment wenig Konkretes machen", sagt ein deutscher Spielerberater mit Lizenz des Weltfußball-Verbands. Das gleiche hört der Mann, der seinen Namen nicht genannt haben will, auch bei anderen Klubs, dem VfB Stuttgart oder bei Borussia Mönchengladbach zum Beispiel. "Der Name Kirch taucht immer wieder auf", sagt der Berater. Immer wieder sitzt er "verunsicherten" Managern gegenüber. Einer erzählte sogar: "Ich weiß nicht, ob ich das alles bis Ende der nächsten Saison finanzieren kann."

Im März 2001 hatte der Berater "schon Abschlüsse gemacht", jetzt hat er nicht mal Vorverträge in der Hand. "Die Vereine sparen an den Gehältern. Vor allem achten sie jetzt sehr darauf, dass Spieler ablösefrei sind." Nur, ablösefreie Spieler kassieren für ihre Unterschrift Handgelder. "Aber da wird jetzt weniger bezahlt als früher." Das Problem ist nur, dass er das den Profis schlecht vermitteln kann. "Wenn einer 1,5 Millionen Euro jährlich verdient hat, kann er froh sein, wenn er in Zukunft das Gleiche bekommt. Aber mehr Geld, wie früher mal, ist nicht drin." Doch wenn er das seinen Klienten sagt, "dann sind die erstmal still".

Es ist halt nicht einfach, gleichzeitig zu sparen und einen guten Kader zusammenzukaufen. "Es ist ein Spagat", sagt Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC. Er sucht gerade noch einen starken Stürmer für die neue Saison. "Wir gehen ein kalkuliertes Risiko ein", sagt er. Im Hertha-Etat sind rund 17 Millionen Euro TV-Gelder eingeplant, das entspricht 35 bis 40 Prozent des Gesamtvolumens. "Das ist schon enorm", sagt Hoeneß. Andererseits plant Hertha im Etat nicht mit Geldern aus einem internationalen Wettbewerb. Die könnten noch hinzukommen. Deshalb "verhandeln wir unverändert. Da gibt es keinen vorübergehenden Stillstand". Allerdings: "Im vergangenen Jahr haben wir zu diesem Zeitpunkt schon echte Kaliber verpflichtet." Jetzt ist noch nichts klar. Den Brasilianer Luizao von Sao Paulo hätte Hoeneß gerne gehabt, "aber der war uns zu teuer". Doch erst mal geht der Hertha-Manager davon aus, "dass der Fernseh-Vertrag erfüllt wird". Basta. Ob Berlusconi, der beim AC Mailand mit Millionen um sich wirft, vielleicht auch in den Bundesliga-Betrieb eingreift - "alles Spekulationen, die im Moment uninteressant sind".

Heiner Bertram hat angeblich auch keine großen Probleme. Obwohl er Chef des Zweitligisten 1. FC Union ist, und sein Klub jährlich rund 3,3 Millionen Euro TV-Gelder kassiert. Das sind 50 Prozent des Etats. "Aber bei uns laufen die Verhandlungen normal", sagt Bertram. "Außerdem: Der TV-Vertrag kann doch gar nicht so einfach aufgelöst werden. Wir rechnen jedenfalls weiter mit den Geldern, die uns vertraglich zustehen." Das könnte allerdings fatal werden. Dass weiterhin so viel Geld fließt wie bisher, glauben immer weniger Beobachter. Jener Spielerberater, der zur Zeit in so viele verunsicherte Gesichter blickt, jedenfalls ist sich sicher: "Die Gelder werden heruntergefahren. Ganz bestimmt."

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