Kirch-TV-Deal : ARD-Programmdirektor: "Sportschau hat große Überlebenschance"

Was wird nach dem Deal der Bundesliga mit Leo Kirch aus der TV-Institution Sportschau? Die ARD bleibt optimistisch, was eine zeitnahe Fußball-Berichterstattung angeht.

München Nach dem Milliarden-Deal der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit der Kirch-Agentur Sirius, die von 2009 bis 2015 die Rechte vermarkten soll, will das Erste den TV-Klassiker nicht so einfach sterben lassen. "Die Überlebenschance der Sportschau ist sehr groß, denn eine attraktive und erfolgreiche Fußball-Bundesliga braucht auch in Zukunft ein Millionenpublikum, das sich Pay-TV nicht leisten kann oder will", sagte ARD-Programmdirektor Günter Struve.

Ebenso wie Sportschau-Chef Steffen Simon lehnte Struve eine Verlegung der Sendung auf Samstagabend 22 Uhr konsequent ab. "Es muss vor 20 Uhr genügend Zeit sein, um die Rechte, im Interesse des Publikums, im Umfang angemessen und nach journalistischen Maßstäben auswerten zu können", betonte der ARD-Mann. Wegen des Werbeverbots im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nach 20 Uhr könnte das Erste eine Sportschau am späten Samstagabend nicht refinanzieren. Derzeit darf die Sportschau von 18:30 bis 19:55 Uhr über sieben Erstligaspiele berichten. Dafür zahlt die ARD pro Saison rund 100 Millionen Euro an die DFL.

Sportschau zieht Zuschauermassen

Stärkstes Pfund im Rechte-Poker, der spätestens mit der Ausschreibung der Rechte im Frühjahr 2008 beginnt, ist für die ARD das Fernsehpublikum. "Mit durchschnittlich rund sechs Millionen Zuschauern ist die Sportschau am Samstag äußerst lebendig", sagte Struve. Alle bisherigen Versuche, die Bundesliga samstags nach 20 Uhr zu übertragen, scheiterten kläglich. Zuletzt musste Sat.1 im Jahr 2001 mit "ran" nach wenigen Wochen zurückrudern. Spätestens wenn die Einschaltquote im frei empfangbaren Fernsehen (Free TV) unter zwei Millionen sinkt, dürften die Vereine mit ihren Trikotsponsoren bei der DFL auf der Matte stehen.

Die DFL, die sich durch die erneute Zusammenarbeit mit Kirch mehr Wettbewerb verspricht und auf höhere Einnahmen aus dem Pay TV hofft, lehnt eine Bestandsgarantie für die Traditionssendung ab. "Es mag unpopulär sein, aber eine Bestandsgarantie für die Sportschau ab 18:30 Uhr kann es nicht geben. Wir wissen, wie wichtig die Sportschau für die Marke Bundesliga ist. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass der wichtigste Geldgeber der Liga bislang Premiere ist und dass deren Zukunftschancen eben auch wichtig sind", erklärte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in der "Welt".

Der Pay TV-Anbieter soll deshalb bei der nächsten Ausschreibung die Möglichkeit bekommen, ein Angebot abzugeben, dass die Bundesliga-Berichterstattung im Free TV ab 22 Uhr vorsieht. Nur für mehr Exklusivität ist Premiere bereit, mehr Geld zu zahlen. Immerhin soll die Kirch-Firma Sirius eine Garantiesumme von 500 Millionen Euro pro Saison einnehmen. "Auch die ARD wird zeigen können, was ihr die Sportschau wert ist", ergänzte Seifert. (mit dpa)

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