Kitzbühel : Und der Papa weint

Felix Neureuther kniete sich nieder und küsste den Schnee von Kitzbühel. Hier hatte er am Sonntag, genau 31 Jahre und zwei Tage nach seinem Vater Christian, den Weltcup-Slalom am Hahnenkamm gewonnen.

Josef Metzger[Kitzbühel]

Ein besonderer Sieg, nicht bloß wegen des familiären Punktes. Denn Kitzbühel, das ist nicht nur in der Abfahrt ein besonderes Rennen. Kitzbühel ist einfach ein Klassiker im Weltcup- Zirkus. Nachdem Felix Neureuther wieder aufgestanden war, lagen sich Vater und Sohn in den Armen, während die Mutter, die zweimalige Olympiasiegerin von 1976, Rosi Mittermaier, am Pistenrand beim Fan-Club ihres Sohns stand und jubelte. „Ich bin so stolz“, sagte Christian Neureuther und wischte sich Freudentränen von den Wangen.

Der erste Weltcup-Triumph des 25-jährigen Felix Neureuther aus Garmisch-Partenkirchen war zugleich der erste deutsche Slalomsieg bei den Herren seit dem Erfolg von Alois Vogl vor fünf Jahren in Wengen. Vor 36 Jahren hatte zuletzt der Sohn eines Olympiasiegers einen Weltcup-Slalom gewonnen: Hansi Hinterseer, der Sohn des Slalom-Olympiasiegers von 1960. Hansi Hinterseer, heute als Volksmusik-Sänger prominent, hatte ebenfalls in Kitzbühel gewonnen.

„Ich habe gewusst, dass er hier gut sein wird“, sagte Christian Neureuther, der selber sechs Weltcup-Slalomrennen gewonnen hatte. „Der Hang hier liegt dem Felix.“ Viele Experten hatten schon bezweifelt, dass das große Talent Felix Neureuther mal ganz oben auf dem Podest stehen würde. Jetzt ist es ihm endlich gelungen – nach harter Kritik, verpassten Podestplätzen und verpatzten Rennen. Kein Wunder, dass sich Felix Neureuther später enorm erleichtert gab. „Die Saison hatte für mich ja ganz schlecht begonnen“, sagte er. „Ich war mental schon am Boden, habe mich aber wieder aus diesem Tief herausgekämpft.“ Das führte er zum einen auf sein neues Material zurück („Die neuen Ski gehen genial“), andererseits auch auf die Ratschläge von Alois Vogl. „Es war ja auch höchste Zeit, dass die Deutschen mal wieder in Kitzbühel etwas gewinnen“, sagte Neureuther grinsend. Zuletzt hatte Armin Bittner vor 21 Jahren den Slalom von Kitzbühel gewonnen.

Der Österreicher Benjamin Raich, Vierter im Slalom und Zweiter in der Kombination, sagte anerkennend: „Sein Sieg war überfällig, es ist Zeit geworden, Felix fährt mit unglaublich viel Speed.“ Dieser Speed ist ihm aber oft genug zum Verhängnis geworden, wenn er mal wieder ausgeschieden ist. In Kitzbühel profitierte Neureuther vom Ausscheiden zweier Konkurrenten, die nach dem ersten Lauf noch vor ihm gelegen hatten, darunter der Österreicher Reinfried Herbst, für den Felix Neureuther Mitgefühl zeigte: „Schade um den Reinfried. Wir sind die besten Freunde. Am schönsten wäre gewesen, wenn wir mit der gleichen Zeit gewonnen hätten.“

Herbst hat in dieser Saison zwei Weltcup-Slalomrennen gewonnen, er wollte in Kitzbühel den dritten Sieg erreichen. Aber jetzt freut er sich im nächsten Rennen auf ein Duell mit seinem deutschen Freund. Am Dienstagabend treffen sie im Flutlicht von Schladming aufeinander. Dort werden 50 000 Zuschauer erwartet. Natürlich auch einige aus Garmisch-Partenkirchen. Nach diesem Sieg werden wohl kurzfristig weitere Fans hinzukommen.

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