Klagenfurt : Angst vor Hooligans lässt Fanmeile veröden

Nach den Krawallen von Sonntag wagen sich die Klagenfurter kaum noch in die Fanzonen. Die Stimmung am Wörthersee ist auf dem Tiefpunkt. Auch in Wien klagen die Wirte.

Klagenfurt/WienGanze 88 Fans fanden sich am Montagabend vor der Videowand auf dem Klagenfurter Messegelände ein, um das Spiel Frankreich gegen Rumänien (0:0) zu verfolgen. Und auf der zweiten Fanzone am Wörthersee verloren sich nach Polizeiangaben sogar nur „etwa 50 bis 70“ Fans, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA am Dienstag. „Sicher sind die Medien mit Schuld an der Misere. Die Klagenfurter trauen sich ja nicht heraus“, klagte ein Wirt. Der Absatz von Speisen und Getränken ist selbst in der Innenstadt zum Teil so gering, dass „einige Wirte schon zugesperrt haben“, klagte Wolfgang Burgstaller, Pressesprecher der Stadt. Wenigstens die Polizei ist zufrieden: „So ruhig war es schon lange nicht mehr“, hieß es am Dienstag aus der Pressestelle des Landespolizeikommandos.

Auch in Wien klagen die Besitzer der Imbisstände auf der Fanmeile vier Tage nach Beginn der EM über massive Verluste. Einige der rund 80 „Standler“ hätten bereits ihre Anwälte eingeschaltet, berichtete die APA. Der Umsatz auf dem Wiener Ring zwischen Rathausmarkt und Heldenplatz sei „ein Debakel“ und  liege um bis zu 90 Prozent unter den Erwartungen. Die Fanmeile war an den vergangenen drei Spieltagen kein einziges Mal voll. Offiziell fasst die Fanzone auf dem Wiener Ring bis zu 70 000 Menschen. Bisher kamen aber lediglich zwischen 15 000 (Sonnabend) und 48 000 (Sonntag) zu den Spielen. Vor allem an den Vormittagen seien die Fanzonen so gut wie leer, klagen die Standbesitzer, weil ein Rahmenprogramm fehle. Es sei bereits Personal entlassen worden.
 
Die Klagenfurter dagegen scheinen vor allem aus Angst vor Krawallen die Fanzone zu meiden. In der Stadt am Wörthersee war es am Sonntagabend vor und während des Spiels Deutschland gegen Polen (2:0) zu Auseinandersetzungen rechtsradikaler deutscher Fans mit der Polizei gekommen. 157 potenzielle Randalierer, die meisten davon Deutsche, wurden festgenommen, ehe es zu Ausschreitungen kam. Doch der Schock bei den Klagenfurtern sitzt tief.

Zwar fanden sich am Montagabend wenigstens auf dem Neuen Platz im Zentrum der Kärntner Hauptstadt etwa 1000 Fans zum Public Viewing ein, doch die Gastronomen sind angesichts des allgemeinen Desinteresses frustriert. Schließlich ist das Fußballfest, in das soviele Menschen so viele Hoffnungen gesetzt hatten, mit dem dritten Vorrundenspiel am kommenden Montag zwischen Polen und Kroatien schon wieder vorbei.

Das Turnier droht für die kleinste EM-Stadt Österreichs zum mittleren Desaster zu werden. Schuld daran, so meinte Pressesprecher Burgstaller, sei nicht zuletzt die schlechte Presse bereits in den Monaten vor dem Turnier: „Berichte, wonach es in Deutschland während der WM zu zahlreichen Vergewaltigungen gekommen sei, sind halt nicht geeignet, Vertrauen zu wecken.“ (how/Leo/dpa)

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