Klappenbachs Fußballwelt (2) : Deutschland geht es gut

Deutschland geht es gut. Den deutschen Schiedsrichtern geht es vergleichsweise gut. Wie Tiere oder Kinder gehören sie zu den Gruppen, deren Zustand etwas über die Verfasstheit einer Gesellschaft aussagt. Nachrichten aus den vergangenen Tagen.

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In Sicherheit. Polizisten begleiten den südafrikanischen Schiedsrichter Rubin Williams während des Afrika Cups vom Platz.
In Sicherheit. Polizisten begleiten den südafrikanischen Schiedsrichter Rubin Williams während des Afrika Cups vom Platz.Foto: AFP

Bei Meldungen über Fußball-Schiedsrichter - wie bei jeder Meldung - sind natürlich Gewalt und Skurrilität wichtige Faktoren. Los geht’s in der Schweiz:

Schiedsrichter Pascal Erlachner stellte sich mit einer verbalen Entgleisung gegenüber eines Spielers derart ins Abseits gestellt, dass er nun mit einer Strafe rechnen muss. Während des Spiels zwischen Rekordmeister Grasshopper Zürich und dem FC Thun (0:2) stieß der 33-Jährige mit Vero Salatic (27) zusammen und beschimpfte den Grasshopper-Kapitän anschließend als „Arschloch“.

Niederlande:
Ehemalige niederländische Fußball-Nationalspieler haben in einem Benefiz-Spiel für die Familie des getöteten Schiedsrichters Richard Nieuwenhuizen 56000 Euro eingespielt. Stars wie Frank und Ronald de Boer, Ruud van Nistelrooy, Giovanni van Bronckhorst und Dennis Bergkamp traten gegen eine Amateur-Auswahl des FC Buitenboys in Almere an. Nieuwenhuizen war im Dezember nach einem Spiel der B-Jugend schwer misshandelt worden. Er erlag einen Tag später seinen Verletzungen. Die Attacke hatte die Niederlande schwer erschüttert. Der Prozess gegen die Tatverdächtigen soll noch in diesem Sommer beginnen.

Weit weg:
Ein kenianischer Schiedsrichter verlangt umgerechnet 240000 Dollar Entschädigung vom nationalen Fußball-Verband. Schiedsrichter Martin Wekesa beschuldigt einen Jugendtrainer des Landes, ihn im vergangenen September aus Wut über einen Platzverweis so heftig an den Hoden gezogen zu haben, dass er keinen Sex mehr mit seiner Ehefrau haben könne. Der beschuldigte Coach muss sich wegen der Vorwürfe ab diesem Donnerstag vor einem Gericht der Küstenstadt Mombasa verantworten.

Ein indonesischer Fußball-Profi ist wegen einer brutalen Attacke auf einen Schiedsrichter in seiner Heimat lebenslang gesperrt worden. Der 29 Jahre alte Pieter Rumaropen war am Sonntag nach einem Elfmeterpfiff gegen seinen Klub Persiwa Wamena auf den Unparteiischen zugestürmt und hatte diesen mit einem Faustschlag niedergestreckt. Der stark blutende Referee musste in ein Krankenhaus gebracht werden, wo seine Wunde mit vier Stichen genäht wurde.

Und hierzulande:
Wegen einer Attacke auf den Schiedsrichter ist ein Verbandsligaspiel im saarländischen Neunkirchen abgebrochen worden. Ein Spieler der 2. Mannschaft des früheren Fußball-Bundesligisten Borussia Neunkirchen hatte den 29 Jahre alten Unparteiischen ins Gesicht geschlagen, dieser beendete die Partie umgehend.

Wegen zunehmender Gewalt gegen Schiedsrichter fielen in einem Bezirk des Südbadischen Fußballverbandes nahezu alle Spiele am vergangenen Wochenende aus. Südlich von Freiburg waren von der Bezirksliga abwärts alle Männer-, Frauen-, und Jugendspiele im Bezirk Hochrhein betroffen, für die ein Verbandsschiedsrichter eingeplant war - insgesamt 123 Partien. Nachdem am vorherigen Wochenende bei einem B-Jugend-Spiel der Schiedsrichter nach einer Roten Karte umgestoßen und getreten wurde und eine A-Jugend-Mannschaft vor den Spielern des Gegners in die Kabine flüchten musste, hatte man die Entscheidung getroffen.

Es gibt keine umfassende wissenschaftliche Untersuchung darüber, warum jemand überhaupt Schiedsrichter wird, die möglichen Motive reichen von Kontrollwahn über stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn bis hin zur Kompensation der eigenen schlechten fußballerischen Fähigkeiten. Auf jeden Fall müssen die Motive stark sein.

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