Klappenbachs Fußballwelt (4) : Mehr Drama, bitte!

Die Fußballligen in Europa sind vorhersehbar geworden. Die Favoriten haben sich durchgesetzt, Überraschungsmeister gibt es nicht. Richtige Sensationen findet man nur noch in K.o.-Spielen. Ist das auch ein Modell für die Ligen?

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Die üblichen Verdächtigen. Juventus Turin jubelte in Italien.
Die üblichen Verdächtigen. Juventus Turin jubelte in Italien.Foto: dpa

Vielleicht wird das Endspiel um den DFB-Pokal ja wider Erwarten spannend, ansonsten muss das deutsche Finale der Champions League zusätzlich zum ganzen Bedeutungsballast eben auch dafür noch herhalten. Wer Fußball mit vielen Wendungen erleben will, ist nicht nur im Titelkampf der wichtigsten nationalen Ligen falsch und darf sich Sorgen machen, dass dies auf Sicht auch so bleibt. Kein Drama, nirgends.

Wohin man auch schaut, der Favorit ist nicht nur in Spanien (FC Barcelona), England (Manchester United), Italien (Juventus Turin) und Deutschland vorzeitig Meister, dazu kommt beispielsweise zum dritten Mal in Folge in den Niederlanden Ajax Amsterdam und seit dem vergangenen Wochenende auch die Millionenmannschaft von Paris St. Germain in Frankreich. Alles schon klar und garantiert frei von Dramatik. Wer es spannend will, muss in Europa lange suchen, einen Überraschungsmeister wird er gar nicht finden. Zwar kam es in Portugal am vorletzten Spieltag der Saison noch zu einem Wechsel an der Tabellenspitze, dort hat jedoch der eine Favorit FC Porto den anderen Favoriten Benfica Lissabon besiegt und von der Spitze verdrängt. Stilecht in der 90. Minute.

Das Fußballdrama der Woche ereignete sich aber beim FC Watford. Im Rückspiel der Aufstiegs-Play-offs für die englische Premier League gegen Leicester City fiel das entscheidende 3:1 in der 97. Minute, Watford steht nun im Endspiel um den Aufstieg. 18 Sekunden vorher hatte Leicester nach langen Protesten der Spieler von Watford einen Elfmeter verschossen, nach dem Tor für Watford im Gegenzug konnte die Menge kaum an sich halten und stürmte nach dem folgenden Schlusspfiff den Platz. Mit Dortmunds Nachspielzeitsieg im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Malaga hatte der deutsche Zuschauer schon sein Fußballwunder für diese Saison.

Es werden in der nächsten Spielzeit neue folgen. Aber nur in Wettbewerben mit K.o.-Spielen, in der Meisterschaft haben die üblichen Verdächtigen genug Gelegenheiten, ihre Überlegenheit auszuspielen. Denn so spannend manches Spiel auch ist, ganz oben passiert nicht viel. Zeit für eine Modusänderung. Drama, Baby. Finale, oho.



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