Sport : Klare Worte zum Abschied

Wada-Chef Pound warnt: Doping ist nicht banal

Friedhard Teuffel

Berlin - Auch für Sportfunktionäre kann es eine Ehrenrunde geben, und Richard Pound dreht sie gerade. Acht Jahre, seit ihrer Gründung 1999, führt der Kanadier die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) als Vorsitzender, in sechs Wochen endet diese Zeit. Sein Nachfolger ist am Wochenende in Madrid schon gewählt worden, der Australier John Fahey, aber Pound hat doch noch einiges zu sagen. Ein Vermächtnis in Kurzform hat Pound in Berlin hinterlassen, beim Anti-Doping-Forum der Rechtsanwaltskanzlei Beiten Burkhardt. „Die erste Phase in der Geschichte der Wada liegt hinter uns. Wir haben viel erreicht, zum Beispiel den Wada-Code bekommen und noch einmal überarbeitet“, sagte Pound. Aber jetzt beginne ein neuer Kampf, der Kampf gegen die Langeweile. „Die größte Gefahr ist, dass Doping banalisiert wird. Dass die Leute sagen: Lass sie doch dopen, ist uns doch egal“, sagte Pound.

Dass es bisher nicht so weit gekommen ist, dazu hat Pound in den vergangenen Jahren einiges beigetragen. Etwa mit Angriffen gegen blockierende Verbände oder mit kuriosen Zitaten. „Man hat mir vorgeworfen, der Pound ist so oft in den Medien. Aber ich habe das mit Absicht getan. Ich wollte zitiert werden, um das Profil der Wada zu schärfen.“ Und es hätte sich schließlich nichts verändert, wenn er den Präsidenten des Internationalen Radsportverbandes UCI kumpelhaft in den Arm genommen und ihm gesagt hätte: Ihr tut doch jetzt was gegen Doping, nicht wahr? Die UCI hat Pound daher oft vorgeworfen, zu wenig Dopingkontrollen im Training durchzuführen.

Reaktionen auf seine Kritik hat der Wada-Vorsitzende genug bekommen. „99 Prozent aller Beschimpfungen gegen mich kamen von zwei Seiten: von der UCI und von den nordamerikanischen Profiligen.“ Die lehnen nach wie vor ein effizientes Dopingkontrollsystem ab. Für weitgehend glaubwürdig hält der 65 Jahre alte Rechtsanwalt die Bemühungen der Chinesen im Anti-Doping-Kampf. „China ist kein offenes Land. Aber wir haben eigene Kontrolleure im Land, und es gibt keine Klagen darüber, dass ihnen der Zugang zu den Athleten verwehrt wird.“ Auch bei seinem Besuch in China in diesem Jahr hat Pound ein kleines Vermächtnis hinterlassen: „Ich habe den Chinesen gesagt: Wenn bei den Spielen in Peking lauter Athleten, die keiner vorher je gesehen hat, Medaillen gewinnen, wäre das kein Erfolg für euch. Es wäre ein Desaster.“ Friedhard Teuffel

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