Sport : Klarer Auftrag

Freiburg muss aufsteigen, Frankfurt hat was dagegen

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Von Christoph Kieslich

Freiburg. Ohne falsche Bescheidenheit hat der SC Freiburg die neue Saison in Angriff genommen. Die Zuschauer hat er am Montag zum ersten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mit einem Stadionmagazin empfangen, das keine Zweifel aufkommen läßt: „Comeback Tour“ hieß es auf dem Titelblatt. Und in den Fanshops wurden T-Shirts aufgelegt mit dem typischen Slogan eines Absteigers: „Nur ein Jahr, dann sind wir wieder da!“ Um die von der Konkurrenz zugeteilte Rolle als hoch gehandelter Favorit reden die Freiburger auch nicht lange herum. „Das wäre kokettiert“, sagt Trainer Volker Finke, der in seiner zwölften Freiburger Saison steht. Schließlich konnten alle Spieler gehalten werden, was der Situation auf dem Transfermarkt geschuldet war und einer Vertragspolitik, die die Freiburger Profis zum Teil bis 2004 oder länger bindet – unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

Diese Mannschaft soll wieder gutmachen, was sie selbst verbockt hat. Es ist weitgehend die gleiche Truppe, die vor Jahresfrist noch im Europapokal spielte und „schon überragend gespielt hat“, wie sich Trainer Finke lebhaft erinnert. Im Gegensatz zu 1997/’98, als Freiburg seinen Trainer hielt, dafür aber einen kompletten Kader austauschte, sagt Finke heute: „Die Chemie stimmt.“ Die Anhänger des SC haben ihren Anteil am respektvollen Abgang. Ohne „öffentliches Schlachtfest“ (Finke) wurde das im Programm des Klubs manifestierte Zwischenspiel in der 2. Bundesliga mitgetragen. 17 500 Dauerkarten kauften sie – da wird mancher Erstligist neidisch. Der Trainer begreift das als „klaren Auftrag der Fans“.

Am Montag musste allerdings bereits eine erste Enttäuschung weggesteckt werden. Eine ansprechende erste Halbzeit gegen konsequent mauernde Frankfurter war zu wenig. In der zweiten Hälfte verlor Freiburg in dem Maße den Faden, wie die Eintracht ihre Chance zu wittern begann. Das prächtig herausgekonterte 0:1 durch Keller war der Niederschlag in der 67. Minute. Davon erholte sich der Sport-Club nicht mehr. Im Gegenteil, Guie-Mien traf kurz vor Schluss noch zum 0:2. Die zähen Bemühungen der Freiburger erinnerten schon wieder an das Fiasko der vergangenen Saison. Sich aufzubäumen oder gar ein Spiel zu drehen – hier ist diese Mannschaft noch nicht vorangekommen. Finke wirkte dennoch nicht geknickt nach der Heimpleite und analysierte etwas umständlich: „Ich hatte nicht den Eindruck, als ob wir keine Perspektive hätten.“

Bei ihm fängt der Misserfolg ab Platz vier in der Abschlusstabelle der Zweiten Liga an. Alles andere als der Wiederaufstieg würde auch zu einer Neuordnung der Freiburger Verhältnisse führen. Ein Jahr in der Zweiten Liga kann der schuldenfreie Klub durchstehen. Aber dann? „Es kann nur ein Ziel geben“, sagt Achim Stocker, der seit 1972 dem Klub vorsteht. Er scheint vom Erfolg überzeugt. Der 67-Jährige hat sich kürzlich für drei weitere Jahre wählen lassen.

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