Klaus Wowereit im Interview : "Hertha passt einfach zu Berlin"

Herr Wowereit, wie viel Berlin steckt in Hertha BSC? Ein Aufstiegsgespräch über Wirtschaft und Gesellschaft, über Ost und West – und die Fußball-Kompetenz der Kanzlerin.

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Klaus Wowereit, 59, ist seit 2001 Regierender Bürgermeister und wird seit 2004 als Mitglied Nummer 50 bei Hertha BSC geführt.
Klaus Wowereit, 59, ist seit 2001 Regierender Bürgermeister und wird seit 2004 als Mitglied Nummer 50 bei Hertha BSC geführt.Foto: REUTERS

Herr Wowereit, Hertha BSC ist gerade zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren in die Bundesliga aufgestiegen. Werden Sie persönlich gratulieren?

Na klar gratuliere ich, auch öffentlich. Für ganz Berlin ist dieser Aufstieg wichtig, nicht nur für Hertha. Und Sie wissen ja: Ich halte schon seit ein paar Jahren den Rathausbalkon in Schuss…

Für die Aufstiegsfeier?

Nein, nein. Da muss dann schon mehr dazukommen. Das ist ein kleiner Traum von mir: ein nationaler Titel für Hertha. Aber der Weg dahin ist noch weit und wir sollten jetzt mal nicht gleich übermütig werden. Nächstes Jahr geht’s um den Klassenerhalt. Aber vor ein paar Jahren, als Hertha noch größer im Geschäft war, wollte Gerhard Schröder mal eine mögliche Meisterfeier bei sich vor dem Kanzleramt ausrichten. Warte mal ab, ob du noch da bist, wenn Hertha Meister wird, habe ich ihm gesagt. Und, ist er noch da?

Nein. Aber Sie sind noch da.

Da haben Sie recht.

Es gibt über Berlin den gemeinen Spruch: Wir können alles außer Flughafen und Bundesliga. Schmerzt es Sie, dass nur die eine Hälfte dieser Weisheit jetzt nicht mehr zutrifft?

An der anderen Hälfte arbeiten wir.

Für Hertha war der Abstieg, was für Sie die Absage der Flughafeneröffnung war. Tröstet es Sie, wenn Sie jetzt sehen, wie schnell Hertha den Stimmungsumschwung hinbekommen hat? Ihre Umfrageergebnisse waren ja auch schon mal besser.

Aber wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Warten Sie ab, was noch kommt. Und was Hertha betrifft: Es war schon extrem wichtig, in der ersten Saison nach dem Abstieg den Wiederaufstieg zu schaffen.

Wie viel Berlin steckt eigentlich in Hertha?

Sehr viel. Der Wille, sich immer wieder durchzukämpfen bei all dem Auf und Ab. Die lange Tradition. Hertha kann keck sein, manchmal aber auch verschämt den Kopf einziehen.

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21.04.2013 16:01Preetz geht baden: Allein im Entmüdungsbecken.

Und wie viel Hertha steckt in Berlin?

Das ist so nicht zu beantworten. Hertha passt einfach zu Berlin.

Schon mal wegen der hohen Schulden.

Ich glaube nicht, dass das berlintypisch ist. Abgesehen von den Bayern ist das für viele Vereine ein Riesenproblem.

Hertha hat einen Hauptsponsor, der im Jahr 4,5 Millionen Euro überweist und auf der anderen Seite die S-Bahn kaputtgespart hat. Gefällt das dem Regierenden Bürgermeister?

Erst einmal freue ich mich, dass Hertha einen Hauptsponsor hat, der die Arbeit des Vereins erheblich unterstützt. Ein ganz anderes Thema ist die S-Bahn, da bleibt es bei unserer harten Kritik. Dass der Börsengang der Bahn über die S-Bahn finanziert werden sollte, darunter leiden wir heute noch.

Hertha ist arm – und auch sexy?

Hertha ist sicherlich nicht so reich wie Bayern München, aber ich glaube, dass sich Hertha von der Finanzkraft her mit anderen Klubs vergleichen kann. Die Zuschauerzahlen sind beeindruckend, und sie werden in der Ersten Liga noch besser werden. Insofern muss der Verein sehen, dass er auch ökonomisch den Anforderungen gerecht wird. Da hat es in den vergangenen Jahren erhebliche Umstrukturierungen gegeben: vom Verein hin zu einem Unternehmen. Hertha ist auch ein wirtschaftlicher Faktor für diese Stadt.

Noch mal: Wie sexy finden Sie Hertha?

Hertha wird auch attraktiv durch seine Haltung, durch das soziale Engagement, das der Verein wahrnimmt. Und so richtig sexy wird Hertha, wenn die Mannschaft einen attraktiven Fußball spielt. Das Spitzenspiel gegen Braunschweig fand ich jedenfalls sehr attraktiv.

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